Wie soll das gehen?

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„Wenn Ihr Kind behindert ist, kann es doch sowieso nicht alleine zur Schule gehen. Dann brauchen Sie es ja auch nicht hier beschulen zu lassen.“, sagt die Leiterin der Grundschule im Wohngebiet.

„Inklusion in der Schule kann gar nicht funktionieren. Das müssen Sie schon selbst über die Freizeitaktivitäten organisieren.“, sagt die Sonderpädagogin der Außenklasse.

„Kinder mit Behinderung dürfen nur von speziell ausgebildeten Lehrkräften unterrichtet werden. Die Lehrkraft in Ihrem Wunschkurs hat diese Ausbildung nicht.“, sagt die Musikschule.

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Niemand darf aufgrund seiner Behinderung diskriminiert werden.„, sagt das Grundgesetz.

Die Vertragsstaaten anerkennen das Recht von Menschen mit Behinderungen auf Bildung. Um dieses Recht ohne Diskriminierung und auf der Grundlage der Chancengleichheit zu verwirklichen, gewährleisten die Vertragsstaaten ein integratives Bildungssystem auf allen Ebenen und lebenslanges Lernen mit dem Ziel,

  1. die menschlichen Möglichkeiten sowie das Bewusstsein der Würde und das Selbstwertgefühl des Menschen voll zur Entfaltung zu bringen und die Achtung vor den Menschenrechten, den Grundfreiheiten und der menschlichen Vielfalt zu stärken;
  2. Menschen mit Behinderungen ihre Persönlichkeit, ihre Begabungen und ihre Kreativität sowie ihre geistigen und körperlichen Fähigkeiten voll zur Entfaltung bringen zu lassen;
  3. Menschen mit Behinderungen zur wirklichen Teilhabe an einer freien Gesellschaft zu befähigen.“ (UN-Behindertenrechtskonvention, Artikel 24, 1 – Quelle hier)
Die Vertragsstaaten treffen geeignete Maßnahmen, um Menschen mit Behinderungen die Möglichkeit zu geben, ihr kreatives, künstlerisches und intellektuelles Potenzial zu entfalten und zu nutzen, nicht nur für sich selbst, sondern auch zur Bereicherung der Gesellschaft.“ (UN-Behindertenrechtskonvention, Artikel 30, 2 – Quelle hier)

„Mit dem Ziel, Menschen mit Behinderungen die gleichberechtigte Teilnahme an Erholungs-, Freizeit- und Sportaktivitäten zu ermöglichen, treffen die Vertragsstaaten geeignete Maßnahmen, (…) um sicherzustellen, dass Kinder mit Behinderungen gleichberechtigt mit anderen Kindern an Spiel-, Erholungs-, Freizeit- und Sportaktivitäten teilnehmen können, einschließlich im schulischen Bereich;“ (UN-Behindertenrechtskonvention, Artikel 30, 5d – Quelle hier)

 

 

Hallo Ihr Lieben,

aus den vielen Gespräcen und Hospitationen in den letzten Monaten sind mir die drei zuerst genannten Aussagen besonders im Gedächtnis geblieben. Manche einer hat seine Aussage im späteren Gesprächen relativiert, aber dennoch habe ich alles so bzw. so ähnlich gehört. Wenn man die Aussagen nebeneinander stellt, sieht man deutlich, dass niemand sich bzw. seine Institution bei der Inklusion für zuständig hält – jeder verdrängt seinen Anteil an dieser – zugegeben großen – Aufgabe, das Menschenrecht der Inklusion für ALLE wahr werden zu lassen. Das macht es sowohl Menschen mit Behinderung als auch deren Eltern oder Angehörigen so schwer, für ihre Rechte einzustehen und ein wirklich inklusives Leben zu führen – auch wenn das Gesetz dies schon längst vorsieht. Wer sich für Inklusion engagiert, braucht einen langen Atem, Mut und ein dickes Fell – das habe ich im vergangenen Jahr immer wieder zu spüren bekommen, auch wenn ich bisher glücklicherweise immer eine zufriedenstellende Lösung finden konnte.

Heute ist nun noch einmal ein sehr wichtiger Tag für uns: Endlich findet die sogenannte Bildungswegekonferenz statt, bei der das Schulamt uns genau ein (!) inklusives Bildungsangebot macht – und gleichzeitig auch eine Sonderschule (korrekte Bezeichnung hier in Ba-Wü: SBBZ für geistige Entwicklung) für den Löwenjungen vorschlägt. Wenn man also, so wie wir, eine inklusive Beschulung anstrebt, dann ist das inklusive Angebot, um mit dem „Paten“ zu sprechen, „ein Angebot, das wir nicht ablehnen können“ – denn inklusive Alternativen gibt es für uns im staatlichen Schulsystem nicht. Also drückt uns bitte die Daumen, dass das Angebot und die Rahmenbedingungen gut sind – sobald es offiziell ist, werde ich Euch natürlich hier berichten!

 

Liebe Grüße von der

Kleinstadtlöwenmama

5 Gedanken zu „Wie soll das gehen?

  1. Pingback: Freitagslieblinge am 29. Juni - x-mal anders seinx-mal anders sein

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