9 Monate getrennt-erziehend – wie geht es uns heute?

Liebe Leser*innen,

mein Artikel „Warum ich nicht alleinerziehend“ bin (und das darin enthaltene Plädoyer für den Begriff „getrennt-erziehend“) hat Euch sehr interessiert und ist auch diesen Monat in der Scoyo-Blogview zu lesen. Für mich war das ein guter Anlass, einmal Bilanz zu ziehen: Wie geht es uns heute mit dem neuen Familienmodell? Wie sieht unser Alltag aus, wo knirscht es vielleicht noch? Und wie gehen die Löwenkinder (und natürlich wir Löweneltern) inzwischen mit der Situation um?

Die Alltagsorganisation funktioniert inzwischen ganz gut. Der Papatag mit Übernachtung ist etabliert und auch unser Familienessen einmal in der Woche ist fester Bestandteil unserer Terminkalender. Die Wochenenden halbieren wir meist und versuchen dabei, die Bedürfnisse aller zu berücksichtigen. Zugegeben, dabei äußere ich mehr Wünsche als der Löwenpapa, da ich öfter fest eingeplante Termine wie Theaterbesuche o.ä. habe, während er in seiner Freizeitplanung schon immer eher spontan war. Mit dem Bringen und Abholen der Kinder versuchen wir, uns abzuwechseln und verbinden es auch öfter mit einem gemeinsamen Eis oder ähnlichem, damit es sich nicht wie eine simple „Übergabe“ anfühlt.

Ich habe auch den Eindruck, dass die Löwenkinder sich insgesamt gut an den neuen Alltag gewöhnt haben. Es ist allerdings für sie immer noch schwierig, nach einem Urlaub wieder in diese Routine zu kommen. Bei jeder Heimkehr habe ich den Eindruck, dass sie noch einmal schmerzhaft daran erinnert werden, dass wir nun einen anderen Familienalltag haben und die alte Wunde jedes Mal ein bißchen aufreißt und sich erst wieder schließen muss. Nach einigen Tagen klappt es dann wieder ganz gut. Natürlich kommt auch zwischendrin immer wieder die Trauer hoch (beim Löwenjungen) bzw. die Frage nach dem Warum und „Versöhnungsversuche“ (beim Löwenmädchen).

Ich selbst genieße es nach wie vor, nicht mehr 24/7 die Verantwortung zu tragen und auch andere Sachen machen zu können. Allerdings muss man dazu doch sagen, dass gerade dieses Jahr sehr viel meiner freien Zeit für Behördenkämpfe und anderes draufgeht – der Alltag als Pflegeperson ist teilweise sehr anstrengend und auch das Engagement für Inklusion kostet viel Zeit und Kraft – aber darüber werde ich noch einmal gesondert berichten. Umso wichtiger ist es aber gerade jetzt, dass ich mir Freiräume schaffen kann, in denen ich nicht in erster Linie Mutter und Pflegeperson bin.

Schade finde ich es oft, dass die Löwenkinder – zumindest gefühlt – so selten zuhause sind und dementsprechend wenig Zeit haben, hier einfach frei zu spielen. Wobei wir aber auch da versuchen, flexibel zu sein: Wenn die Kinder es wünschen, bleiben sie auch schon mal mit dem Löwenpapa im Haus, anstatt in die Wohnung zu gehen. Und wenn sie im Haus sind, versuche ich immer nachzuspüren, was sie gerade brauchen: Freies Spiel zuhause mit wenigen Vorgaben oder eher Aktivitäten außer Haus und Ausflüge mit Freunden? Im Großen und Ganzen klappt dies eigentlich ganz gut.

Ein festes Ritual ist hier nach wie vor der abendliche Gute-Nacht-Anruf bzw. die Sprachnachricht. Und auch ansonsten versuchen der Löwenpapa und ich, uns gegenseitig so gut es geht am Alltag teilhaben zu lassen. Das heißt, wir schicken uns häufig Kinderfotos oder erzählen abends kurz, wie der Tag gelaufen ist. Das Löwenmädchen kann inzwischen auch alleine Sprachnachrichten verschicken und tut dies auch oft voller Hingabe. Nach wie vor springen wir Löweneltern auch ein, wenn einer von uns während der normalen Mama- oder Papazeiten einen Termin hat. So werde ich nächste Woche die Löwenkinder in der Wohnung betreuen, während der Löwenpapa Konferenzen hat. Und der Löwenpapa war auch schon einmal abends hier, während ich einen Termin wahrgenommen habe.

Bisher funktioniert unser „Modell“ also ganz gut – es gibt aber ja auch noch keine offiziellen neuen Partner. Ich denke, dass sich dadurch das ganze Gefüge noch einmal kräftig verschieben wird – bin aber optimistisch, dass das Familienleben auch dann an erster Stelle stehen wird.

Auf der Scoyo Blogview findet Ihr noch zwei andere Artikel zum Thema „Alleinerziehend“, einmal aus Papasicht von Johnnys Papablog und einmal aus Sicht einer „komplett“ alleinerziehenden Mutter von Mutterseelesonnig. Ich finde es gut, dass drei so unterschiedliche Perspektiven ausgewählt wurden – und freue mich sehr, dass ich dabei sein durfte! Danke! 🙂

Zum Abschluss habe ich auch noch eine Frage an Euch, liebe Leser*innen: Wer hier schon länger mitliest, weiß, dass sehr viele meiner Artikel sich um das Thema Inklusion/Behinderung drehen – aber auch das Thema „getrennt-erziehend“ kommt immer wieder vor und eigentlich würde ich gerne mehr über das gefühlsstarke Löwenmädchen schreiben (wie hier schon einmal). Welche der drei Themen interessieren Euch denn am meisten?

Viele Grüße,

Eure Kleinstadtlöwenmama

4 Gedanken zu „9 Monate getrennt-erziehend – wie geht es uns heute?

  1. Liebe Kleinstadtlöwenmama,

    ich lese immer wieder gerne bei dir rein und in der Tat finde ich gerade eurer neues Modell getrennt-erziehend wirklich spannend. Dazu würde ich gerne mehr über das Löwenmädchen erfahren und wie eure familiäre Situation für sie im Alltag ist.

    Lieben Gruß
    Jessi

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  2. Hallo, ich habe deinen Blog gerade erst gefunden und lese mich jetzt gerade durch die Beiträge. Ich finde, dass du das alles sehr gut wuppst und dazu auch noch sehr schön schreibst! Ich wollte nur kurz eine kleine Aufmunterung da lassen. Ich bin selber getrennt erziehend im Wechselmodell, und inzwischen haben sowohl der Papa als auch ich nur Partnerschaften, beim Papa sogar mit kleinem Bruder inzwischen. Und tatsächlich erschweren die neuen Partner das Modell überhaupt nicht. Sie wussten beide, worauf sie sich einlassen, und unterstützen das ganze. Es erleichtert sogar die Erziehung, dass jetzt sogar vier Erwachsene da sind, die sich kümmern. Vielleicht ist das nicht selbstverständlich, aber ich glaube, das kommt öfter vor, als man sich denkt. Deshalb: weiter so, ihr macht das super! Und alles andere baut darauf auf. Viele Grüße aus Hamburg!

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    • Hallo liebe Jongleurin,
      danke für Deine lieben Worte – das gibt mir Mut! Und ich denke auch, dass gut funktionierende Pachtworkmodelle und Familien-WGs etc. öfter vorkommen, als man denkt – und in Zukunft auch immer geläufiger werden!

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