Kinderfrei vs. kinderfrei – zum Thema Mental Load bei Getrennt- und Alleinerziehenden

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Quelle: Pixabay

Hallo Ihr Lieben,

nun habt Ihr schon wieder eine Weile nichts von mir gehört, was nicht nur an dem grundsätzlich mit Arbeit vollgestopftem September liegt, sondern auch daran, dass das Löwenmädchen die kalte Jahreszeit schon vor 2-3 Wochen mit einer starken Erkältung eröffnete, aus der sich letzte Woche auch noch eine Lungenenzündung entwickelt hat! Und da die Arbeitsbelastung bzw. -aufteilung ja gerade bei kranken Kindern immer so eine Sache ist, kam mir da die Blogparade von glücklich scheitern zum Thema Mental Load sehr gelegen!

Kennt Ihr den Begriff „Mental Load“? Er bezeichnet die mentale Belastung, also die Aufgabe, alles zu organisieren, an alles im Familienleben zu denken und die Fäden zusammenzuhalten – in den allermeisten Fälllen ist dies ja doch Frauensache (Gegenbeispiele und Widerspruch sind ausdrücklich willkommen!). Es gibt hier dazu einen sehr schönen Comic, den ich, hätte ich ihn vor der Trennung entdeckt, dem Löwenpapa sehr gerne gezeigt hätte.

Tatsache ist – und das wird jetzt niemanden überraschen -, dass die Mental Load bei Allein- und Getrennterziehenden natürlich noch ungerechter verteilt ist. Denn derjenige, der aus-zieht, schafft sich ja gleichzeitig auch einen Ort, an den er sich zurück-ziehen kann. Und derjenige, der bleibt, trägt nicht nur weiterhin die bisherige Verantwortung, sondern fängt auch noch alles das auf, was an freigewordenen Aufgaben nun auf ihn hereinprasselt (davon, dass derjenige, der bleibt, auch das emotionale Chaos der Kinder auffangen und mit ihnen gemeinsam die entstandenen Leerstellen aufarbeiten und neu füllen muss, spreche ich jetzt gar nicht).

Im Alltag mit den Kindern bin ich hier jetzt für alles zuständig. Wenn die Kinder Fußballspielen oder ganz komplizierte Konstruktionen bauen wollen, kann ich nicht mehr sagen: „Ach, macht das doch morgen Nachmittag, wenn Papa zuhause ist!“ – denn das ist er nicht. Und ich möchte die Löwenkinder auch nicht in ihren Aktivitäten und Interessen bremsen (natürlich sage auch ich manchmal nein zu bestimmten Aktivitäten, einfach, weil mir in dem Moment die Kraft oder die Lust dazu fehlt – aber generell bemühe ich mich, die Zeit mit den Kindern möglichst vielseitig zu gestalten). Ich finde es zwar spannend, dass ich so immer wieder aus meiner eigenen Komfortzone hinaus muss, um Dinge zu machen, die ich von mir aus eher nicht machen würde. Aber es ist doch nicht immer einfach, die Interessen von so unterschiedlichen Temperamenten wie denen der Löwenkinder alleine zu befriedigen. Dass ich nebenbei den Haushalt schmeiße, den Hund versorge, für soziale Kontakte (der Kinder) sorge, Papierkram erledige (zum Thema Mental Load bei Eltern von Kindern mit Behinderung müsste ich eigentlich nochmal extra schreiben) usw. – geschenkt.

Nun könnte man aber meinen, dass ich dann die kinderfreie Zeit für mich hätte. In gewisser Weise stimmt das auch, denn ich habe zum Glück tolle Unterstützung und ein recht gutes Zeitmanagement und plane mir feste Zeiträume ein, in denen ich etwas für mich unternehme, ausgehe und Freunde treffe. Aber die kinderfreie Zeit ist in erster Linie für mich Arbeits- und Haushaltszeit.

Und dann gibt es da noch diverse andere Dinge, die ich in der kinderfreien Zeit erledige:

  • ich plane mit der Babysitterin den Kindergeburtstag des Löwenmädchens
  • ich mache Arzttermine aus
  • ich kümmere mich um Geschenke, z.B. für anstehende Kindergeburtstage
  • ich bezahle Rechnungen, z.B. für die Freizeitaktivitäten der Kinder
  • ich erledige diversen anderen Papierkram
  • ich repariere kaputt gegangenes Spielzeug und flicke Kinderkleidung
  • ich tausche mich mit Erzieher*innen, Lehrer*innen und Therapeut*innen aus, besuche z.B. Elternabende oder schreibe E-Mails
  • ich informiere den Löwenpapa über alle wichtigen Dinge, die im Leben seiner Kinder passieren
  • die Liste darf beliebig mit allen Dingen ergänzt werden, die im Alltagsleben mit Kindern so anfallen (Eltern unter Euch – Ihr wisst, was ich meine!)

Ich bin ganz ehrlich – manchmal nervt es mich, dass meine kinderfreie Zeit so oft dazu dient, die „Kindersachen“ zu erledigen, zu denen ich in Gegenwart der Hauptpersonen nicht komme, während die kinderfreie Zeit des anderen größtenteils wirklich „kinder-frei“ ist. Und dann kann ich mich nicht entscheiden, ob ich es nun ungerecht finden soll, dass der eine Partner Zeit mit seinen Kindern verbringen kann, ohne den Rest der Zeit groß Verantwortung zu übernehmen, – oder ob ich dankbar sein soll, dass ich – im Gegensatz zu vielen anderen Alleinerziehenden – einige Stunden Luft pro Woche habe, um eben diese mentale To-Do-Liste abzuarbeiten.

Wie geht es Dir mit dem Thema Mental Load? Und würde es Euch interessieren, etwas über die mentale zusätzliche Belastung von Eltern von Kindern mit Behinderung zu lesen?

Liebe Grüße

Eure Kleinstadtlöwenmama

 

 

 

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