Inklusive Beschulung: So ist der Stand zwei Tage vor der Einschulung

Inklusion

Liebe Leser*innen,

einige unter Euch werden sich vielleicht fragen, warum wir hier immer noch nicht vom Schulbeginn berichtet haben. Aus einem ganz einfachen Grund: Die Schule hat hier in Baden-Württemberg erst am 10. September wieder begonnen – und die Erstklässler werden traditionell am Samstag nach der ersten Schulwoche eingeschult. Wir müssen also noch zwei Tage warten bis zum großen Tag.

Trotzdem wollte ich Euch schon einmal einen Überblick geben, was sich seit dem Beginn der Sommerferien alles getan hat – einiges hatte ich ja auch schon in meinen Tipps zur inklusiven Beschulung gesagt.

Schulbegleitung:

Da es sich um eine Gruppenlösung handelt (= mehrere Schüler mit einer geistigen Behinderung), teilen sich die Schüler auch die Schulbegleitung – dafür wurde diese aber vollumfänglich genehmigt. Zwei Personen teilen sich die Begleitung der Kinder. Beide habe ich Anfang August kennengelernt und hätte, wenn ich gewollt hätte, ein Veto eingelegt. Gemeinsam mit dem Kindergarten habe ich organisiert, dass beide Personen über einen Zeitraum von zehn Tagen den Löwenjungen fast täglich im Kindergarten besucht und kennengelernt haben. Wir hoffen, dass er dann bei Schulbeginn schnell versteht, dass dies seine beiden Vertrauenspersonen sind und er einen leichteren Start hat. Eine Fachkraft wurde uns übrigens nicht genehmigt, sondern nur Hilfskräfte. Übrigens bezahle ich diese Besuche im Kindergarten über das Budget der zusätzlichen Betreuungsleistungen, also über die Pflegekasse.

Betreuung/Berufstätigkeit/wirkliche Inklusion:

Ich habe den Löwenjungen in der sog. „Verlässlichen Grundschule“ angemeldet. Das heißt, er wird dort von 7h30 bis 14h betreut – auch wenn zB die erste Stunde ausfällt. Er kann auch dort zu Mittag essen und hat hoffentlich Gelegenheit, Kontakte zu den anderen Kindern zu knüpfen – denn auch das ist Inklusion. Dadurch, dass der Löwenjunge nicht in seinem direkten Umfeld zur Schule gehen darf, sondern eine Schule besuchen muss, die knapp 20km entfernt ist, hat er einen Anspruch auf Beförderung zur Schule. Oft wird dann von der Kommune ein Taxi- oder Busunternehmen organisiert. Dies fährt aber nur zu den Unterrichtszeiten – d.h. der Löwenjunge könnte dann nicht mit den anderen Kindern zusammen essen oder spielen. Das hieße auch, dass ich meinen Beruf gänzlich aufgeben müsste, um pünktlich zuhause zu sein und meinem Kind ein Mittagessen zuzubereiten oder es zu betreuen. Oder ich müsste eine Tagesmutter finden, die diese Aufgaben übernimmt. Ganz abgesehen davon, finde ich mein Kind zu klein, um mit dem Taxi zu fahren, zumindest im ersten Schuljahr. Wer ihn kennt, weiß, dass er sehr zurückhaltend ist, er wird, denke ich, mit der Eingewöhnung in die Schule genug zu tun haben. Ich habe also einen Antrag auf Einzelfallentscheidung zur Unterstützung bei den Fahrtkosten gestellt. Die Antwort steht noch aus, aber ich werde Euch berichten.

Lehrer

Vom Lehrerteam habe ich bisher einen sehr guten Eindruck. Die neue Klassenlehrerin kommt frisch aus dem Refererat, die Sonderpädagogin hat schon Erfahrung mit Inklusion. Beide waren gestern beim Elternabend anwesend und die Sonderpädagogin hat sich vorgestellt mit den Worten: „Ich bin Sonderpädagogin und mit 9 Wochenstunden in der Inklusionsklasse. Die Klassenlehrerin und ich verstehen uns aber als Team und ich fühle mich für alle Kinder in der Klasse zuständig.“ Ein weiterer Elternabend nur zum Thema Inklusion soll folgen. Auch ein Einzelgespräch mit mir fand schon statt, um die Bedürfnisse des Löwenjungen besser kennenzulernen – und nächste Woche besuchen die beiden als Team eine dreitägige Inklusionsfortbildung.

Eltern

Von den anderen Eltern kam gestern zum Thema Inklusion gar keine Frage oder Rückmeldung. Allen war bekannt, dass es eine Inklusionsklasse sein wird – ich bin gespannt, wie es weitergehen wird.

Der Löwenjunge

Der Löwenjunge war gestern morgen recht traurig, als ihm der Abschied aus dem Kindergarten bevorstand. Trotzdem freut er sich auf die Schule und scheint auch die Schulbegleiterinnen, insbesondere eine der beiden, ins Herz geschlossen zu haben. Wir sind jetzt alle sehr gespannt auf die Einschulungsfeier am Samstag – der Bericht folgt dann im Wochenende in Bildern! 🙂

Viele Grüße

Eure aufgeregte Kleinstadtlöwenmama

 

7 Gedanken zu „Inklusive Beschulung: So ist der Stand zwei Tage vor der Einschulung

  1. Ich finde es immer wieder erstaunlich warum nicht bei ALLEN Kindern eine Art Eingewöhnung in der Schule angedacht ist! Das ihr das Kennenlernen der Schulbegleiter organisiert habt, finde ich klasse, eigentlich sollte das Standard sein und nicht aus „der eigenen Tasche“ (auch wenn es Pflegleistungen sind, fehlen diese dann an anderer Stelle) bezahlt werden! Mein Sohn hatte große Schwierigkeiten in der Ersten Klasse, hat lange gebraucht sich an alles neue zu gewöhnen. Und ich kenn viele Geschichte von Kindern ohne jeglichen „Förderbedarf“ die bei der Abgabe in der Schule bitterlich geweint haben. Warum muss das sein? Auch mit 6/7 sind die Kinder noch klein und meiner Meinung nach würde eine „Eingewöhnung“ in die Schule so viel Stress von den Kindern, als auch Lehrern und Eltern nehmen! Auch das mit dem Fahrdienst, unglaublich….! Hier in Berlin suche ich seit 3 Jahren vergeblich nach einer inklusiven Lösung für meinen Sohn (mit Rollstuhl und hohem Unterstützungsbedarf)… Er lernt jetzt in einer Förderschule….
    Ich wünsche Euch einen sehr guten Start! Das Pädagogen-Team hört sich klasse an!
    Liebe Grüße aus Berlin, Maike

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    • LIebe Maike,
      ich bin ganz Deiner Meinung – alle Kinder sollten eine richtige Eingewöhnung in die Grundschule haben. Hier vor Ort wird das leider sehr unterschiedlich gelöst – manche Kindergärten und Grundschulen arbeiten sehr eng zusammen, so dass die Kinder gut vorbereitet sind. Bei anderen gibt es kaum Anknüpfungspunkte. Und da wir ja ohnehin in die nächstgrößere Stadt müssen, war klar, dass ich das selbst organisieren muss (allerdings hat der Kindergarten mich dabei wunderbar unterstützt!). Wie schade, dass Du keine inklusive Lösung für Deinen Sohn gefunden hast – ich drücke Dir die Daumen, dass sich noch etwas tun wird! Liebe Grüße!

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  2. Ich bin schon sehr gespannt auf deinen Nächsten Bericht über die ersten Tage. Aber vorher drücke ich ganz fest die Daumen, dass er einen guten start ins Schulleben hat und sich dort wohlfühlen wird.
    Liebe Grüße
    Ulrike

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