„Und ich mache es ropstem“ – Unser Alltag mit einem gefühlsstarken Kind – mit Rezension

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Liebe Leser*innen,

nachdem ich in den vergangenen Monaten sehr viel über den Löwenjungen berichtet habe, haben einige von Euch sich gewünscht, mehr über das Löwenmädchen zu erfahren.

Während der Löwenjunge der ruhende Pol unserer Familie ist, ist seine Schwester der Wirbelwind und sorgt mit ihrer unglaublichen Energie immer wieder für Action.

Freude und Wut liegen bei ihr unglaublich nah beeinander und beides erlebt sie so intensiv, dass ich oft das Gefühl habe, ich müsste sie vor der Wucht ihrer eigenen Gefühle beschützen.

Während ihr Bruder mich in seinen ersten Lebensjahren – und auch jetzt noch – immer wieder dazu gebracht hat, meine eigenen Werte wirklich zu leben, durfte ich dank meiner Tochter unglaublich viele Glaubenssätze überdenken, zu einem großen Teil verwerfen und meine eigene Haltung Kindern gegenüber verändern.

Die ersten Jahre habe ich noch versucht, das Löwenmädchen in meine Vorstellungen zu pressen – aber schnell merkte ich, dass dieses Kind sich in kein Schema stecken lässt. Seit sie knapp drei Jahre alt ist, sucht sie selbst die Kleidung aus und besteht auch auf diesem Wahlrecht. Ein „Das macht man so!“ hat ihr noch nie als Erklärung ausgereicht – sie akzeptiert Anweisungen nur, wenn ihr der Sinn dahinter auch klar ist (was, zugegeben, in ihren ersten drei Lebensjahren eine sehr große Herausforderung war). Wenn ich ihre Grenzen überschreite, macht sie mir das sehr deutlich – wenn jemand anderes ihre Grenzen nicht respektiert, ist sie danach am Boden zerstört. Sie hat ein enorm ausgeprägtes Gerechtigkeitsbewusstsein und wollte neulich eine andere Mutter ansprechen, die ihrem Kind das als Belohnung für gutes Verhalten gekaufte Eis als Konsequenz auf ein anderes schlechtes Verhalten wegnahm und es vor seinen Augen selbst aufaß. Meine Tochter fand es nicht nur unglaublich ungerecht, dass die – ja dennoch verdiente – Belohnung dem Kind wieder weggenommen wurde, sondern sie hatte auch große Sorge, weil das Kind nun nichts zu essen hatte.

Ihr Bewegungsdrang ist genauso enorm wie ihre Gefühlsausbrüche intensiv sind. Eis geht sie grundsätzlich am liebsten dort essen, wo man direkt vor der Eisdiele herumtoben kann, damit sie möglichst wenig sitzen bleiben muss. Wie sie die gemeinsamen Mahlzeiten und überhaupt einen durchgetakteten Kindergartentag schafft, ist mir oft ein Rätsel – aber sie ist natürlich gleichzeitig auch sehr willensstark und möchte vieles schaffen, oft auch allein bzw. genauso, wie die größeren Kinder das machen.

Ihr seht also: Auch ein Kind ohne Extrachromosom kann in vielen Sachen außerhalb der Norm sein.

Umso erleichterter war ich, als ich irgendwann auf Nora Imlaus Buch „So viel Freude, so viel Wut ….“* und die dazugehöirge Facebook-Gruppe gestoßen bin! So viele Kinder mit so starken Gefühlen! Nora Imlau hat dafür den Begriff der „gefühlsstarken“ Kinder geschaffen – und ich finde diesen Audruck unglaublich passend!

Die Intensität ihrer Gefühle – positive wie negative – überrascht und beeindruckt mich immer wieder. Gleichzeitig finde ich ihren Enthusiasmus einfach toll – er macht unseren Alltag viel bunter und schöner!

Das Schöne an dem Buch ist, dass die Autorin auf die positiven sowie auf die negativen Aspekte und die Herausforderungen eingeht, die das Familienleben mit einem gefühlsstarken Kind mit sich bringt. Aber sie tut das immer wertschätzend und ohne je diese Gefühlsstärke zu pathologisieren. Man liest das Buch, fühlt sich einerseits unglaublich gut verstanden und merkt, dass auch andere vor den gleichen Herausforderungen stehen – und andererseits bekommt man eine (noch) positive(re) Sicht auf das eigene Kind und sieht auch die vielen Stärken, die mit dem gefühlsstarken Wesen einhergehen. Es geht in dem Buch übrigens auch nicht darum, noch eine weitere Diagnose zu finden, mit der man ein Kind, das aus der Reihe fällt, in eine bestimmte Schublade stecken kann – diesen Tendenzen stehe ich selbst äußerst kritisch gegenüber. Auf das Löwenmädchen treffen nun auch nicht alle Merkmale zu, außerdem finde ich generell, dass sie inzwischen die meiste Zeit sehr gut mit ihren Emotionen zurecht kommt (so wie hier) – aber oftmals braucht sie eben noch unsere Begleitung dabei und da hat mir die Lektüre des Buches wirklich noch einmal sehr geholfen, sie zu verstehen und mir Wege aufzuzeigen, sie gut begleiten zu können.

Ich persönlich finde schon lange, dass das Löwenmädchen genau richtig ist, so, wie sie ist. Aber ich muss auch ganz ehrlich sagen: Hätte ich dieses Buch vor 3 Jahren gelesen, wäre unser Weg bestimmt ein bißchen weniger steinig gewesen – und ich hätte vielleicht schon früher einen liebevolleren Blick auf die Emotionen meiner Tochter bekommen.

Mehr Informationen zu dem Buch und auch einen sehr aufschlussreichen Selbsttest, ob Euer Kind (oder Ihr selbst) gefühlsstark ist, findet Ihr hier. Zur Facebook-Gruppe geht es hier entlang.

Habt Ihr auch gefühlsstarke Kinder? Wie geht Ihr damit um?

Es grüßt Euch

Eure Kleinstadtlöwenmama

*Affiliate Link: Wenn Ihr über diesen Link kauft, bekommen wir eine kleine Umsatzbeteiligung. Euch entsteht dadurch kein Nachteil. Und natürlich könnt Ihr die Bücher auch beim Buchhändler Eures Vertrauens erwerben.

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