Warum ich nicht „allein“erziehend bin

Ihr Lieben

sehr häufig, wenn ich jemandem erzähle, dass ich jetzt „allein“erziehend bin,  fühle ich mich dabei ganz komisch. Nicht etwa, weil ich ein Problem damit habe, mit den Kindern alleine zu leben – im Gegenteil, das fühlt sich zur Zeit genau richtig an. Auch nicht, weil die Kinder vielleicht mehr Zeit bei ihrem Vater wären – nein, sie sind schon 4 bis 5 Tage und Nächte in der Woche bei mir (und wenn sie oder ihr Vater krank sind, noch öfter).

Ich finde einfach, dass dieses Wort nicht zu meiner und unserer Situation passt. Das liegt vielleicht daran, dass ich mich seit unserer Trennung viel weniger alleine fühle als vorher. Natürlich übernehme ich nach wie vor den Löwenanteil bei der Carearbeit – das ist auch gut so und ich mache es gerne. Und natürlich bin ich nach wie vor für die meisten Entscheidungen (bzw. für den Weg dorthin) zuständig. Auch das übernehme ich gerne. Da ich, wie manche munkeln, leichte Tendenzen zu Kontrollzwang hege, ist es sowieso besser, wenn ich mich selbst informiere. Und genauso natürlich fehlt es mir manchmal, so wie gerade jetzt bei der Schulsuche, mich darüber mit einem Partner auszutauschen. Das hat mir aber vor der Trennung schon genauso gefehlt, da wir uns de facto einfach nicht mehr ausgetauscht haben.

Dennoch: Der Löwenpapa war vor unserer Trennung ein sehr präsenter Papa, der sich viel und gerne um die Kinder gekümmert hat. Dementsprechend fest ist auch die Bindung zwischen ihm und den Löwenkindern. Und dementsprechend wichtig finde ich es für alle Beteiligten, diese Bindung aufrechtzuerhalten. Meine Aufgabe dabei ist es, ihn und die Kinder darin so gut wie möglich zu unterstützen. Das heißt, dass meine Kinder natürlich jederzeit ihren Papa anrufen können, wenn sie dies wünschen. Manchmal verschicken der Löwenjunge und ich morgens um 4 Uhr eine Sprachnachricht an den Löwenpapa, weil der Sohn ihn so sehr vermisst. Das heißt zum Beispiel auch, dass ich nach einer längeren „Wohnungspause“ mitkomme in die Wohnung, wenn die Kinder sich das wünschen, damit sie sich auch dort geborgen fühlen. Das heißt aber auch, dass wir beide versuchen, das Familiengefühl zu stärken – durch unseren wöchentlichen Familienabend, an dem wir gemeinsam essen und zu zweit die Kinder ins Bett bringen, durch Ausflüge zu viert oder zusammen verbrachte Feiertage. Wir beide sind die Kernfamilie unserer Kinder, egal, wie es um uns als Paar bestellt ist.

Und natürlich „erzieht“ der Löwenpapa seine Kinder auch, wenn er Zeit mit ihnen verbringt. Nicht immer so, wie ich das gerne hätte 😉 – aber so, wie es zu ihm und den Kindern passt. Und das ist auch gut so. Der Löwenpapa unterstützt mich, wenn ich hier 2 kranke Kinder habe, nimmt Arzttermine wahr, wenn sie in die Papazeit fallen (auch, wenn meist ich sie ausgemacht habe) und begleitet die Kinder ins Ballett und in die Musikschule. Er hat, genau wie ich auch, eigene Rituale mit den Kindern entwickelt. Und durch seine Präsenz kann ich jetzt, wo wir getrennt sind, auch mal Verantwortung abgeben und ein eigenes Leben haben, in dem ich nicht in erster Linie Mutter bin (ich weiß – natürlich hätte ich das auch vor der Trennung haben können. De facto habe ich das aber zu der Zeit nicht geschafft – umso besser, dass es mir jetzt gelingt und ich dieses Leben sehr genießen kann).

Und aus all diesen Gründen finde ich nicht, dass ich alleinerziehend bin. Zumindest FÜHLE ich mich weniger alleinerziehend als vor unserer Trennung. Deshalb sage ich auch lieber, dass wir „getrennt gemeinsam erziehend“ sind. Klar, der Begriff ist umständlich. Aber er trifft es sehr gut, viel besser zumindest als der stets präsente und meist negativ behaftete Ausdruck „alleinerziehend“.

Wir sind kein Paar mehr und dass wir jemals Freunde werden, wage ich stark zu bezweifeln. Aber wir sind nach wie vor Eltern und wir wollen dies auch beide sein. Wir sind die einzigen Eltern, die unsere Kinder je haben werden – also sollten wir unsere Sache so gut wie möglich machen.

So, und diesen Artikel dürfen mir meine engsten Freunde nun immer rezitieren, wenn ich mich das nächste Mal über den Löwenpapa aufrege 😉 (denn das kommt natürlich auch vor – ich schaffe es auch nicht immer, ihm NUR auf Elternebene zu begegnen!).

Wie ist es denn bei Euch? Seid Ihr selbst allein- oder gemeinsam getrennt erziehend? Und wie ist in Eurem Bekanntenkreis? Sind da so Konstellationen wie die unsere eher exotisch oder eher die Regel? Ich bin gespannt auf Eure Erfahrungen!

Viele Grüße,

 

Eure Kleinstadtlöwenmama.

5 Gedanken zu „Warum ich nicht „allein“erziehend bin

  1. Puh..immer diese Begrifflichkeiten 😀 Also..ich hab jetzt kein Schild umhängen auf dem „alleinerziehend“ steht, bezeichne mich aber so wenn ich gefragt werde. Da ich genau wie Du alles organisatorische alleine mach, er zwar auch mal zum Arzt mit ihr geht weil es z.B. terminlich nicht anders zu legen ist, seh ich einfach die Verantwortung bei mir. Vor der Trennung hab ich auch das Meiste gemacht, aber er war halt öfter greifbar. Er lebt jetzt mit einer anderen Frau und deren 3 Kindern zusammen, da gibt es keine „Familienabende“ wie bei dir, oder dass wir da anrufen. Sie hat ihre Zeit mit ihrem Papa, sie spürt dass wir beide sie lieben, wir reden normal miteinander, mehr auch nicht. Im Grunde „erzieht“ ja jeder ein Kind mit, der Zeit mit dem Kind verbringt, also im Kindergarten, Oma und Opa usw..
    Liebe Grüße, Astrid 😉

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    • Ich bezeichne mich auch so – weil es eben der gängige Begriff ist. Für mich ist es aber jetzt einfacher als vorher und ich finde, andere Alleinerziehende, die wirklich GANZ allein sind, haben es deutlich schwerer. Es kann natürlich auch sein, dass sich das bei uns nochmal ändert, wenn einer von uns einen neuen Partner findet. Aber bisher erziehen wir halt doch gemeinsam. Ich finde auch nicht, dass andere Bezugspersonen sich dieses Recht herausnehmen dürfen zu erziehen – egal ob Oma und Opa, die Bezugspersonen im Kiga oder die Babysitterin. Aber wie Du sagst – unser Modell ist (zur Zeit!) auch ein anderes als Eures. Liebe Grüße! (Übrigens wollte ich neulich bei Dir im Blog kommentieren – zu Deiner Filmkritik – und es ging nicht!)

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      • Oh. Danke für den Hinweis…🤔..
        Für mich hat Erziehung was mit vorleben zu tun und ich würde jetzt nicht behaupten dass nur ich oder der Papa meine Kinder erzieht…Und wenn sie zb einen vormittag bei Oma und Opa ist da der Kindergarten geschlossen hat, werden auch da Grenzen gesetzt ,wenn auch andere als bei mir 😁

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      • Ich verstehe, was Du meinst. Für den „großen Rahmen“ sind aber doch nur wir Eltern – als „Erziehungs“berechtigte auch im gesetzlichen Sinn – zuständig. Schließlich suchen wir ja auch den KiGA, die Schule etc. aus, und entscheiden, wer uns wie bei der Betreuung der Kinder unterstützt. Klar werden die Kinder auch von ihrem restlichen Umfeld geprägt und beeinfluss. Die Erziehungsverantwortung (und -Berechtigung) sehe ich aber alleine bei mir und – in unserem Fall – bei ihrem Vater.

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  2. Pingback: #bestofElternblogs März 2018 – Die Kellerbande

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