Auf Schulsuche III: Die integrative Montessorischule

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Hallo Ihr Lieben,

meinem heutigen Artikel möchte ich ein Zitat voranstellen, das ich hier gefunden habe:

„Das einzige was wir wirklich tun müssen, ist, unsere Grundhaltung gegenüber dem Kind zu ändern und es zu lieben mit einer Liebe, die an seine Person glaubt und daran, dass es gut ist; mit einer Liebe die nicht seine Fehler, sondern seine Tugenden sieht, die es nicht unterdrückt, sondern es ermutigt und ihm Freiheit gibt. „ – Maria Montessori

Jetzt aber: Endlich schaffe ich es, Euch von der nächsten Etappe unserer Schulsuche für den Löwenjungen zu berichten. Die ersten beiden Teile findet Ihr hier und hier – und wenn Ihr die gelesen habt, wisst Ihr auch, dass der „normale“ Weg für mich bisher keine Option ist.

Nach meinen doch eher frustrierenden Besuchen in der Außenklasse und in der Förderschule habe ich begonnen, mich auch nach alternativen Schulformen umzusehen – und ich habe auch den Radius meiner Suche erheblich erweitert.

Eine liebe Bekannte hat mich dann auf die Idee gebracht, bei einer integrativen Montessorischule anzufragen. Gesagt, getan – schon kurz nach meinem ersten Mailkontakt fand ein längeres Informationsgespräch und danach ein Hospitationsvormittag statt.

Und was soll ich sagen? Beides hat mir gezeigt, dass es doch eine Schule gibt, in der mein Löwenkind einfach dazugehören würde, so, wie er ist. In der er nach seinen Fähigkeiten gefördert würde – und nicht strikt nach einem Bildungsplan. In der er so lernen könnte, wie er es gut kann. In der er in alle Aktivitäten integriert wäre – vom gemeinsamen Essen über Unterricht bis zu Klassenfahrten. In der er dennoch nicht das einzige Kind mit Behinderung wäre und so auch keinen Sonderstatus hätte.

Dazu kommt noch, dass mich die Montessori-Pädagogik ohnehin sehr anspricht und ich auch schon seit längerer Zeit denke, dass es für den Löwenjungen genau der richtige Ansatz ist. Schließlich bekomme ich auch aus dem – immer mehr an Montessori orientierten – Kindergarten immer wieder die Rückmeldung, wie gerne er lernt, wie wichtig ihm auf der einen Seite Zuwendung und Aufmerksamekeit der erwachsenenen Bezugspersonen, auf der anderen Seite aber auch seine Selbständigkeit sind. Außerdem profitiert er schon jetzt von einer vorbereiteten Lern- und Spielumgebung und von einem vielfältigen Angebot, aus dem er sich seine Schwerpunkte selbst auswählen darf.

Beides hat mir in den öffentlichen Schulformen gefehlt.

 

Ein weiterer Punkt ist die Lernatmosphäre: Der Löwenjunge reagiert sehr sensibel auf Druck. Er hat ein ausgeprägtes Störungsbewusstsein (das bedeutet, er ist sich zum Beispiel bewusst, dass er sprachlich große Defizite hat) und muss sich sehr sicher fühlen, um daran zu arbeiten. Wenn er sich unsicher oder überfordert ist, sackt er in sich zusammen, macht dicht und stellt jegliche Kommunikation ein (über diesen sogenannten selektiven Mutismus werde ich vielleicht an anderer Stelle noch einmal schreiben). Ohne Druck hingegen arbeitet er voller Freude, motiviert und selbständig. Er kann sich lange konzentrieren und ich bewundere immer wieder seine Fähigkeit, ganz in einer Aktivität aufzugehen und diese in aller Ruhe zuende zu bringen. In der Montessorischule gibt es einen individuell auf den Schüler abgestimmten Wochenarbeitsplan, es gibt keine Noten und dementsprechend auch weniger Druck.

 

Dadurch, dass die integrative Schule gleichzeitig „normale“ Grundschule und SBBZ (also Sonderschule für Kinder mit geistiger Behinderung) ist, wäre der Löwenjunge nie das einzige Kind mit Defiziten. Auch das ist für mich sehr wichtig, erstens, damit er ein gesundes Selbstbewusstsein entwickeln und zweitens, damit er auch „in alle Richtungen“ Freundschaften schließen kann. Diese Alleinstellung wiederum ist das, was mich hier auf dem Land an der Umsetzung der Inklusion stört. Einerseits sollen die Schüler mit Behinderung in Gruppen beschult werden, andererseits gibt es aber nicht genug Schüler, so dass die Beschulung oft nicht wohnortnah erfolgen kann (zur Klarstellung: Das Land Baden-Württemberg bezeichnet eine 30km entfernte Schule als „wohnortnah“, ICH jedoch bezeichne die Grundschule vor Ort – also maximal 5 km entfernt – als wohnortnah). In unserem Fall wäre es weder wohnortnah (nach meiner Definition) noch in Gruppen (da kaum weitere Antrräge auf inklusive Beschulung vorliegen). Der Löwenjunge wäre also nicht nur in einer völlig fremden Umgebung, sondern höchstwahrscheinlich auch das einzige Kind mit Behinderung.

 

Ein anderer für mich sehr wichtiger Punkt ist die Lernumgebung. Bei beiden Besuchen war ich schwer beeindruckt von der ruhigen Stimmung in den Klassenzimmern und auf den Fluren. Die Schüler sind es allesamt gewöhnt, selbstständig zu arbeiten, sich, wenn nötig, im Flüsterton zu verständigen und aufeinander achtzugeben. Dadurch, dass ein Klassenverband immer aus drei Jahrgängen besteht, lernen dies auch die jüngeren Schüler recht schnell von den älteren. Der Löwenjunge ist ja selbst auch ein sehr ruhiges Kind und braucht auch zum Arbeiten eine ruhige Umgebung.

 

Ihr seht also – das Konzept hat mich rundum überzeugt. Auch der Löwenjunge durfte schon einen Vormittag dort verbringen und hat sich anscheinend wohl gefühlt. Trotzdem gibt es zwei Punkte, die für mich nicht ideal sind.

 

Zum einen wäre er dann, trotz aller meiner Bemühungen um Inklusion, Sonderschüler. Das finde ich schade, weil mir die Inklusion ein sehr wichtiges Anliegen ist. Und in meiner Traumvorstellung sollte einfach jede Schule so arbeiten wie diese Schule, ohne dafür extra als SBBZ klassifiziert zu sein. Überspitzt gesagt, habe ich das Gefühl, meine Überzeugungen zu verraten, wenn ich mich jetzt schlussendlich doch für ein SBBZ entscheide. Versteht Ihr, was ich meine? Mir ist aber natürlich bewusst, dass es hier nicht um meine Überzeugungen und Befindlichkeiten geht, sondern in allererster Linie um das Wohlergehen von meinem Sohn. Und was das angeht, kann ich nun sagen, dass ich hier endlich eine Schule gefunden habe, in die ich ihn mit einem guten Gefühl schicken kann.

Der andere, für mich schwierige Punkt, ist ein ganz banaler: Die Schule ist 30 Kilometer von unserem Wohnort entfernt. Ob und in welchem Umfang ich eine Unterstützung bei der Beförderung bekommen würde, konnte ich noch nicht herausfinden. Würde ich den Löwenjungen an eine staatliche Schule geben, hätte ich einen Rechtsanspruch auf Beförderung zur Schule, egal ob SBBZ oder Regelschule. Da es hier aber eine Privatschule ist UND bei uns in der Nähe ja auch ein öffentliches SBBZ ist, weiß ich nicht, ob der Anspruch hier auch besteht (wenn da einer von Euch genauere Informationen oder Erfahrungen hat – ich bin für jeden Tipp dankbar!)! Denn bei Wind und Wetter zweimal täglich eine Stunde zu fahren, stelle ich mir sehr anstrengend und nervenaufreibend vor!

 

Mein Herz hat sich, glaube ich, schon entschieden – der Kopf darf diese Entscheidung jetzt noch mit Fakten untermauern, indem ich noch einmal das Gespräch mit dem Schulamt suche – einfach, um alle Möglichkeiten auszuloten!

Soviel für heute von mir!

Viele Grüße,

 

Eure Kleinstadtlöwenmama

PS: Für diejenigen von Euch, die vielleicht mit dem Begriff Montessori nicht so viel anfangen können oder die gerne mehr bzw. konkreteres darüber wissen möchten, habe ich hier bei Mama Poule ein wirklich sehr spannendes Interview mit vielen weiteren Links gefunden!

9 Gedanken zu „Auf Schulsuche III: Die integrative Montessorischule

  1. Es feut mich, dass Du ein gutes Gefühl bei dieser Schule hast. Bei uns ist schon die Wahl des Kindergartens herausfordernd. Wie muss es erst bei der Schulwahl sein….Ich hoffe, dass Du eine Unterstützung bzgl. Hin- und Rückfahrt bekommst. Das ist nicht zu unterschätzen. Liebe Grüße

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  2. Wie schön! Wir liebäugeln auch mit eine Montessori-Grundschule (ohne SBBZ). Neben der Eigenständigkeit spricht mich auch die altersübergreifende Klassenzusammensetzung an. So hat unsere Tochter auch mal die Chance, etwas „besser“ als andere zu können, und nicht immer hinterherzuhinken. Vielleicht sogar anderen etwas zu zeigen? (Stichwort: Lernen, indem man anderen etwas erklärt):-)

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    • Ja, auch das ist für mich ein Vorteil. Also eigentlich gibt es, außer der formalen Einteilung in Sonderschüler und Regelschüler, und der Entfernung, NUR Vorteile für uns. Und was die Einteilung angeht, ist es mir ja auch lieber, wenn die Unterscheidung nur auf dem Papier gemacht wird, der Unterricht und das Schulleben dann aber immer gemischt sind…. Ihr habt aber auch noch etwas Zeit bis zur Einschulung, oder?

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  3. Hallo,

    oh wie spannend von eurem Weg zu lesen. Ich schaue mich grad zum ersten Mal auf deiner Seite um und das ist auch der erste Beitrag, denn ich überhaupt lese, aber ich muss schon jetzt kommentieren.
    Denn erstens bin ich selbst ein absoluter Fan von Montessori und wir haben uns auch bewusst für einen Montessori Kindergarten mit angeschlossener Grundschule entschieden, obwohl wir nun doch ein wenig weiter davon entfernt wohnen. Allerdings ist es in deinem Vergleich nicht der Rede wert und ich hoffe sehr für dich und euch, dass es möglich ist, dass du mit der Anfahrt/ Rückreise Unterstützung erhalten kannst! Gleichzeitig möchte ich dich auch darauf hinweisen genau diese Anfahrt auch bei deiner Entscheidung mit einzubeziehen. Was bedeuten 2 Stunden Fahrt am Tag für deinen Sohn? Vermutlich hast du sowieso schon darüber nachgedacht. Nur vorsichtshalber wollte ich es noch einmal erwähnen. Ich habe leider in meinem Lehreralltag schon zu häufig Kinder getroffen, die von einem zu langen Anfahrtsweg zu stark belastet waren.
    Zu guter Letzt möchte ich dich dazu motivieren etwas über selektiven Mutismus zu schreiben, denn dieses Thema ist sowas von nicht präsent! Ich finde es aber unglaublich wichtig, dass mehr Eltern, aber auch LehrerInnen davon erfahren. Wir haben in der entfernten Verwandtschaft einen sehr extremen Fall und mir hat das Wissen über Mutismus bereits in meinem Schulalltag geholfen. Also berichte gern!

    Ich wünsche dir ein schönes Wochenende,
    deine Claudia

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    • Liebe CLaudia,
      vielen Dank für Deine Anregungen! Die Fahrtzeit für den Löwenjungen beträgt ja „nur“ eine halbe Stunde hin und eine halbe Stunde nachmittags wieder zurück. Da ich den Weg aber ja jeweils hin und zurück fahren muss, bin ich selbst bei 2 Stunden… Ok, den selektiven Mutismus habe ich auf meine Artikelliste gesetzt! 🙂
      Liebe Grüße und einen guten Start in die Woche,

      Bettina

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