Auf Schulsuche I: Regelschule und Sonderschule

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Guten Morgen zusammen!

Ich nutze die ruhige erste Januarwoche, um Euch endlich von meinen Hospitationen (oder auch nicht) in verschiedenen Schulen zu berichten – heute soll es zunächst um die Regelschule und dann – ausführlich – um meinen Besuch in der Sonderschule für geistige Entwicklung (SBBZ) gehen.

Beginnen möchte ich mit der Regelschule, denn das Thema ist schnell berichtet: Es war mir bisher nicht möglich, an einer Regelgrundschule zu hospitieren. Die Schule, die ich mir eigentlich für den Löwenjungen gewünscht hätte, hat meine Hospitationsanfrage abgelehnt – Begründung: Datenschutz. Die baden-württembergischen Kinder scheinen erheblich besser „datengeschützt“ zu sein als beispielsweise Kinder in NRW (vielleicht erinnert Ihr Euch auch an den ein oder anderen Inklusionsbericht in unserem Adventskalender, in dem die Eltern selbstverständlich nicht nur eine, sondern gleich mehrere Grundschulen besuchen konnten). Da ja leider eben diese Grundschule inzwischen ohnehin nicht mehr für Inklusion zur Verfügung steht, bin ich, was die Regelschule angeht, wieder bei Null. Normalerweise soll ich im Frühjahr erfahren, welche Regelschule das Schulamt mir anbieten wird – ob ich dann dort auch hospitieren darf, steht natürlich auf einem anderen Blatt (Ihr wisst ja, Datenschutz! 😉 ).

Ganz anders sah es bei meinem Besuch in der Sonderschule aus: Ich wurde freundlich empfangen, die Lehrkräfte und auch die Direktorin haben mir alles gezeigt und standen mir auch für Fragen zur Verfügung. Auch die Schüler (vor allem die älteren) waren teilweise sehr offen, kamen zu mir und haben sich mit mir unterhalten – das kenne ich so aus Regelschulen nicht. Die Sonderschule ist natürlich toll ausgestattet – personell wie materiell. Auch die angebotenen Aktivitäten sind abwechslungsreich. Die Lehrerinnen der ersten Klasse, bei denen ich anderthalb Stunden hospitieren durfte, waren beide sehr engagiert, den Kindern zugewandt und haben es geschafft, auch den schwierigsten Kindern Lernangebote zu machen, die diese angenommen haben.

Damit sind wir aber auch schon beim für mich kritischen Punkt: Trotz der vielfältigen Differenzierung hatte ich nicht den Eindruck, dass das Lernangebot dem Löwenjungen gerecht würde. Von den 1,5 Stunden Unterricht, die ich erlebt habe, waren maximal 20 Minuten wirkliche Unterrichts- und Arbeitszeit. Der Rest bestand aus Morgenkreis, spielerischem Wiederholen und Herantasten. Drei der fünf Schüler benötigten quasi durchgehend einen 1:1 Betreuung durch eine Lehrkraft. Für ein ruhiges Kind wie den Löwenjungen, das gerne und konzentriert arbeitet, dazu aber auch 1. ein ruhiges und positives Arbeitsumfeld sowie 2. ihm zugewandte Lehrkräfte, die ihn bestärken, braucht, bleibt da meines Erachtens leider nicht mehr genügend Zeit. Auch das soziale Umfeld spielt für mich eine große Rolle: Wenn von 5 Schülern einer permanent schreit, einer sich auf den Boden wirft und der dritte quasi gar nicht in Kommunikation tritt, dann ist das durchschnittliche soziale Miteinander auch ein ganz anderes als das, was der Löwenjungen glücklicherweise bisher aus seinem integrativen Kindergarten kennt.

Ein letzter, für mich nicht unwichtiger Faktor, ist eine einfache Rechnung: An jedem Unterrichtstag (die Unterrichtszeit geht von 8h30 bis 15h30) finden zwei effektive Unterrichtseinheiten (also Mathe, Deutsch, Sachunterricht) statt. Alles andere sind lebenspraktische Sachen, Sport, Pausen, Mahlzeiten oder Freizeitangebote. Einen Tag in der Woche gehen die Schüler in den Wald, an einem anderen Tag ist Schwimmunterricht – das bedeutet, dass insgesamt nur 6 Unterrichtseinheiten pro Woche stattfinden. Natürlich haben diese vielfältigen Angebote durchaus ihre Berechtigung, aber ein Kind, das mehrmals die Woche zuhause beim Kochen und auch sonst im Haushalt hilft, das in seiner Freizeit Ballettunterricht nimmt, zum Therapiereiten geht und die Musikschule besucht, das sollte – so erwarte ich es zumindest – in der Schule andere Sachen als zuhause lernen. Bevor jetzt die Natur- und Erlebnispädagogen unter meinen Lesern empört aufschreien: Mir ist bewusst, dass man auch in der Natur viel lernt, und dass zum Beispiel mathematische Fähigkeiten auch beim Kochen gefördert werden können. Dennoch entspricht das Verhältnis zwischen Unterricht und anderen Angeboten an der Schule nicht dem, was ich für den Löwenjungen erwarte – und auch nicht dem, was der Löwenjunge bisher aus dem Kindergarten kennt und schätzt.

Wie Ihr wisst, wünsche ich mir ohnehin für den Löwenjungen eine inklusive oder integrative (je nach Auslegung) Beschulung. Dennoch wollte ich mir selbst ein Bild von der Sonderschule machen, bevor ich diese Möglichkeit von meiner Liste streiche. Im Gegensatz zu vielen anderen Inklusionsbefürwortern finde ich es auch nach wie vor richtig und wichtig, dass es Förderschulen gibt – aber für den Löwenjungen ist dies nicht der richtige Platz.

Der aktuelle Stand nach diesem Besuch war also: Die Regelgrundschule ist nach wie vor die große Unbekannte in meiner Rechnung, die Sonderschule ist keine Option für mich – bleibt als nächstes die Außenklasse – mal sehen, was mich dort erwartet!

Was denkt Ihr denn, liebe Leser? Haben Sonderschulen noch eine Daseinsberechtigung oder sollte man sie im Zuge der Inklusion komplett abschaffen? Ich bin gespannt auf Eure Meinungen!

Viele Grüße,

Eure Kleinstadtlöwenmama

NACHTRAG: Eine aufmerksame Leserin hat mich zu Recht daraufhingewiesen, dass hier in Baden-Württemberg die Förderschulen die Schulen für Schüler mit Lernbehinderung sind. Schulen für Kinder mit geistiger Behinderung heißen SBBZ (Sonderpädagogisches Bildungs- und Beratungszentreum), werden aber meist noch als Sonderschule bezeichnet. Ich habe nun in meinem Text den Begriff Sonderschule benutzt (anstatt wie vorher fälschlicherweise Förderschule), damit auch die Leser aus den anderen Bundesländern wissen, welche Schulart ich meine. Ich muss auch leider zugeben, dass ich eigentlich weiß, wie die korrekten Bezeichnungen sind, es aber immer wieder verdränge. Denn wenn man die Schulformen beim Wort nimmt, heißt es ja: Förderschüler (also mit Lernbehinderung) werden auf der Förderschule „gefördert“, Schüler mit geistiger Behinderung werden im SONDERpädagischen Bildungs-und Beratungszentrum (ab)“gesondert“ – weiter weg von Inklusion geht es ja auch sprachlich nicht mehr. Wahrscheinlich möchte mein Unterbewusstsein deshalb diesen Begriff nicht verwenden! 😉

19 Gedanken zu „Auf Schulsuche I: Regelschule und Sonderschule

  1. Hallo Kleinstadtlöwenmama,
    Ich bin der Meinung, dass Förderschulen auf jeden Fall eine Daseinsberechtigung
    haben. Mindestens so lange bis in allen Regelschulen Inklusion tatsächlich gelebt wird. Es stellt sich mir auch die Frage, in welcher Regelschule ( In der Klasse 20 Schüler und mehr/ 1Lehrer(akuter Lehrermangel)finde ich ein ruhiges Arbeitsumfeld für mein Kind. Mein Sohn
    war auch im Integrationskindergarten. Ich wollte ihn zur VÖ anmelden, funktionierte nicht. Wurde aber leider auch nur einmal getestet Naja, jeder Deckel auf den passenden Topf. Ich wünsche dir liebe Löwemama viel Kraft und Energie die passende Schule fürr deinen Löwenjunge zu finden. Dem Löwenjunge wünsche ich, dass die passende Schule nicht 50 km von euch entfernt ist. Mein Sohn ist auf der Förderschule( geistige Entwicklung) und glücklich dort, soweit ich das abschätzen kann. Er spricht nicht.
    Liebe Grüße

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    • Liebe Sabine,
      vielen Dank für Deine Worte! ich bin ganz Deiner Meinung: Am wichtigsten ist es, dass für jeden Schüler die passende Schule gefunden wird – egal, ob diese nun Förder-, Regel- oder Sonstwieschule heißt!
      Liebe Grüße!

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      • Hallo Kleinstadtlöwenmama,
        ich bin selbst Sonderpädagogin, habe in der Förderschule mein Referendariat gemacht und arbeite (derzeit in Elternzeit) an einer Regelgrundschule mit Gemeinsamem Lernen. Derzeit würde ich sagen, dass eine Regelschule mit entsprechend kleiner Klassengröße und gutem Personalschlüssel durchaus einer Schule mit gemeinsamem Lernen überlegen sein kann, was die Förderung der einzelnen Kinder betrifft, besonders wenn es um Schwierigkeiten im Lernen, in der Sprache oder der emotional-sozialen Entwicklung geht. Das heißt nicht, dass ich denke, dass es egal ist, ob eine Sonderpädagogin oder ein Sonderpädagoge an der Schule arbeitet, aber dann müssen schon entsprechend viele Sonderpädagogenstunden an der Schule sein um die Kinder tatsächlich im Lernen im Unterricht begleiten zu können und nicht nur hin und wieder Einzel- und Gruppenarbeitsphasen mit ihnen zu machen, die dann häufig außerhalb des Klassenunterrichts stattfinden müssen. Das ist leider nicht anders möglich, wenn ein Sonderpädagoge für eine ganze Regelschule mit gemeinsamem Lernen zuständig ist und von Klasse zu Klasse springen muss. Leider ist das aber derzeit die Regel an den meisten Schulen mit gemeinsamem Lernen (Inklusionsschulen), da den Schulen nicht genügend Sonderpädagogenstunden zugestanden werden. So wird man jedoch den allermeisten Kindern mit besonderem Unterstützungsbedarf nicht gerecht, umso mehr je größer der Bedarf ist. Bei Kindern, die den Unterstützungsbedarf im Schwerpunkt geistige Entwicklung haben, ist dies jedoch der Fall. Sie benötigen wirklich individuelle Zuwendung, individuelle Aufbereitung von Unterrichtsinhalten und – wie unsere Kinder – ebenso ein geschütztes Umfeld, klare Strukturen und vielleicht doch auch mehr emotionale Bindung zur Lehrperson denke ich. An der Regelschule, ob mit gemeinsamem Lernen oder nicht, ist es einfach sehr abhängig von den jeweiligen Lehrkräften, der Klassenstärke und der Struktur der Schule überhaupt. Es gibt mit Sicherheit Regelschulen, in denen die Kinder aufgrund einer guten Schulleitung, einer engagierten Klassenlehrerin und/oder einer kleinen Klassengröße und/oder einem guten Personalschlüssel sogar besser lernen können als in einer Schule mit gemeinsamem Lernen mit 30 Kindern pro Klasse, einer unfähigen Klassenlehrerin und zu wenigen sonderpädagogischen Stunden. Das Problem des Personalmangels haben natürlich derzeit fast alle Regelgrundschulen bis vielleicht auf private Schulen oder Schulen in sehr ländlichen Gebieten. Ich habe jedoch auch schon Schulen kennengelernt, die sozuagen eine Mischform praktizieren, in denen es einzelne integrative Klassen gibt (eigentlich entgegen der Inklusion, da so wieder teilweise separiert wird), in denen ein festes Tandem von Sonderpädagoge und Regelschullehrer gemeinsam die Klasse leiten und den Unterricht besonders der Kernfächer vorbereiten und begleiten, sodass alle Kinder im Klassenverband bleiben und neben- mit- und voneinander lernen. So kommen auch die sehr starken Kinder nicht zu kurz, denn die dürfen ja auch nicht vergessen werden, nur weil sie offensichtlich nicht so auffallen, bzw. vernachlässigt werden, weil sie „so mitlaufen“. Das ist meine Vision von gutem Unterricht im Sinne der Inklusion. Jedoch halte ich eine „inklusive Schule für alle“ für sehr unrealisitsch, da dann auch wirlich jedes Kind ins Boot geholt werden muss. Das hieße aber, dass jeder Sonderpädagoge jeden Förderschwerpunkt studiert haben müsste oder entsprechend viele Sodnerpädagogen an einer Schule vorhanden sein müssten, alle Schulen barrierefrei gebaut sein müssten, für sehbehinderte Kinder, hörbeeinträchtigte Kinder usw. entsprechende Hilfsmittel und Lehrmittel zur Verfügung stehen müssten, also sozusagen eine Vereinigung aller Förderschulen und der Regelschule sowohl baulich, materiell als auch personell. Das wäre toll, aber möchte wohl keiner bezahlen.
        Fachexpertise in geballter Form ist daher natürlich fast nur an der Förderschule vorhanden, wo alle Förderschullehrer entsprechend spezialisiert sind das Lernmaterial auf die speziellen Bedürfnisse der Kinder abgestimmt ist. Für viele Kinder ist dies einfach ein geschützterer Raum, in dem mal weniger „auffällt“ und auch mal „besser“ als andere sein kann, egal ob im Verhalten, im Lernen oder sprachlich. Ich hatte an meiner Ausbildungsschule (Förderschule Sprache) das Gefühl, dass es den Kindern sehr gut ging und wir sie recht intensiv unterstützten konnten, allein durch die kleine Klassengröße. Für andere Kinder entsteht aber gerade Motivation durch den Willen, mit leistungsstarken Kindern mithalten zu wollen und wenn ein Kind sozial stark ist (wie unsere Kinder ja sehr häufig) und ein entsprechendes gutes Klassenklima herrscht (maßgeblich mitbestimmt durch die Klassenlehrerin), kann es in einer integrativen/inklusiven Klasse besonders mit und von den anderen Kindern lernen, so wie du es mit deinem Löwensohn im Kindergarten erlebt hast und wie es optimalerweise auch laufen sollte. Es ist und bleibt eine sehr individuelle Entscheidung für jedes einzelne Kind und das nicht nur aufgrund der großen individuellen Unterschiede zwischen unseren Kindern mit Trisomie 21, sondern eben auch abhängig von der jeweiligen Schule und nicht nur der Schulform. Ich kann daher nur unterstreichen, dass das Elternrecht nicht darauf beschränkt sein sollte, das Kind an einer Regelschule anmelden zu dürfen, sondern dass den Eltern immer die Wahl für die für ihr Kind beste Schule bleiben sollte und dazu müssen auch alle möglichen Schulformen erhalten bleiben. Jede kann für das einzelne Kind die gerade passende Schule sein. Sicher bin ich grundsätzlich für Inklusion, wie sie als gesellschaftliche Haltung gemeint ist, aber es nützt nichts, irgendetwas einen tollen Namen zu geben, wenn man den Kindern, um die es im Besonderen geht, nicht gerecht wird.
        Ich hoffe, ich habe Euch alle nicht noch mehr verwirrt. Leider kann ich nichts zu konkreten Schulen in Aachen sagen, da ich in nicht in Aachen arbeite und in Bonn mein Ref gemacht habe.

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      • Liebe Haka,
        jetzt komme ich noch einmal auf Deine lange Antwort zurück! Danke, dass Du so ausführlich berichtet hast! Hättest Du vielleicht Lust, von Deinen Erfahrungen auch in meiner Blogreihe „Inklusionsberichte“ zu erzählen? Ich finde es so wichtig, dass wir Eltern auch in DIalog mit den Fachkräften kommen und auch deren Sichtweise auf die Inklusion und die verschiedenen Möglichkeiten kennenlernen! Ich würde mich wirklich freuen! Viele Grüße!

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  2. Hallo Bettina, meine Erfahrung ist, dass sich Yara dem Verhalten der jeweiligen Gruppe anpasst, in der sie verkehrt. In einer Förderschule unter nur behinderten Kindern würde sie sich viel weiter von der Normalitt entfernen als für sie und die Gesellschaft gut wäre. Unterordnung inklusive. Interessant ist übrigens, dass bei euch Förderschüler scheinbar kein Recht auf Datenschutz haben?
    Ich bin für dir Abschaffung von Flrderschule, denn ich glaube nicht, dass es einen schrittweisen Übergang zur vollkommenen Inklusion geben kann. Ich denke, dass das tatsächlich nur hart und schmerzhaft klappen kann. Und die armen Kinder, die zu dieser Zeit die Schule besuchen müssen, ihre Rechte hart erkämpfen müssen. Solange Eltern für die Förderschuken kämpfen, ruhen sich BildungspoLiter darauf aus und ändern am System nichts. Ich denke aber, dass es individuelle Lösungen geben muss für einzelne Schüler. Homeschooling, online lernen etc. Aber weg vim Laben und hin zum Miteinander. Angefangen in der Kinderkrippe. LG arisne

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    • Liebe Ariane,
      danke für Deine Worte! Ich kann auch Deine Position verstehen und natürlich würde die Inklusion „unter Zwang“ wesentlich schneller klappen. Aber ganz ehrlich? ich würde mein Kind nicht unter schlechten Bedingungen in die Inklusion geben – dann würde ich auf eine Privatschule gehen oder doch nach Frankreich ziehen (ich glaube, da ist HOmeschooling erlaubt). Und die Leidtragenden wären die Kinder, deren Eltern sich keine Privatschule leisten können bzw die nicht für die Rechte ihrer Kinder einstehen (so wie es jetzt schon in den Regelschulen ja leider häufig der Fall ist). Ich finde, es ist einfach ein sehr schwieriges Thema. Und die BIldungshoheit der Länder macht es hier noch unendlich viel schwieriger, etwas zu ändern!

      Ja, die Anpassung an das Verhalten der jeweiligen Gruppe ist für mich auch ein sehr wichtiges Argument! So blöd es klingt, ich finde „soziale Kontrolle“ sehr wichtig. Die Leiterin einer integrativen Privatschule hat mir erzählt, dass ihr immer wieder auffällt, dass die „Förderkinder“ an inklusiven/integrativen sehr häufig ein viel besseres Sozialverhalten/Verständnis für gesellschaftliche NOrmen haben als an reinen Förderschulen – weil sie es dort einfach vorgelebt bekommen.

      Und ja, die FÖrderschüler in Baden-Württemberg haben entweder weniger Recht auf Datenschutz – oder die Sonderpädagogen sehen das nicht so streng wie die Regelschullehrer. Das fand ich auch sehr bemerkenswert! Der Datenschutz ist allerdings hier wohl tatsächlich im Schulgesetz verankert.

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  3. Liebe Bettina, ob Förderschulen eine Daseinsberechtigung haben, fragst du. Eigentlich möchte ich sagen „ja“- aber wenn viele Eltern glücklich sind damit, kann ich wohl nur für uns sprechen. Ich finde, unsere Kinder gehören dazu – so wie auch in unseren Familien, wo auch keine Mutter/Vater sagt, dass sie eigentlich keine spezielle Ausbildung oder Vorbereitung für behinderte Kinder hatte/hat. Inklusion steht und fällt mit den Menschen … wobei eine spezielle Ausbildung nach unserer Erfahrung an zweiter Stelle hinter dem Willen steht. Was du von der Förderschule hinsichtlich Kulturtechniken schreibst, kenne ich leider nur zu gut. Entsprechend werden nämlich auch inkludierte Kinder an Regelschulen „unterrichtet“ – je nachdem, welchen Ansatz der Förderlehrer hat, werden auch dort Lesen und Schreiben zugunsten angeblich wichtigerer Tätigkeiten vernachlässigt. Bei uns geht es gerade hoch her – du hast es ja im Blog gelesen. Kirsten hat mir mit ihrem Kommentar aus der Seele geschrieben. Erst jetzt platzt mir nach über sieben Jahren Schulerfahrung langsam der Kragen, wenn ich von Lehrern (und ja, sie sind angeblich speziell für geistige Behinderung ausgebildet) Argumente höre, warum unseren Kindern der Schlüssel zu einem einigermaßen selbstständigen Leben verwehrt wird.

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  4. Liebe Kleinstadtlöwin, wir gehen zurzeit folgenden Weg:
    Meine Tochter besucht die 1. Klasse einer Förderschule (geistige Entwicklung). Die Klasse besteht aus 9 Kindern (und ist damit überbelegt, normal wären 6 Kinder). Die Beeinträchtigungen der Schüler sind vielfältig: AD(H)S, Epilesie, starke Sehbehinderung, Tourette, Autismus, Sprachbarrieren…
    So wie du es in deinem Beitrag beschreibst, wird der Schultag hier auch gestaltet: ausgiebiges Frühstück, ca. 4-5 kleine Lerneinheiten à 15 min., Hofpausen, Mittagessen/Mittagsruhe, Waldtage, Schwimmtage, ein bisschen Kunst & Musik, Morgenkreis etc…
    Bei meiner Tochter beobachte ich folgendes: Der gute Vorlauf, den sie durch die I-Kita hatte, hat sich in Luft aufgelöst. Sie ist im Klassenverband ängstlich und schüchtern (so kenne ich sie gar nicht!), da die 7 Jungs in der Klasse das Geschehen dominieren und die volle Aufmerksamkeit der Lehrer fordern, die inzwischen selbst auf dem Zahnfleisch gehen. Meine Tochter ist normalerweise neugierig, offen, komunikativ und sprachlich gut aufgestellt. Ihr Potenzial liegt in der Förderschule völlig brach.
    Was uns etwas „rettet“: der integrative Hortplatz an einer privaten Grundschule. Zu den ca. 120 Regelkindern kommen dort 25 I-Kinder. Im Hort blüht sie auf, knüpft Kontakte zu den Regelkindern, schaut sich Fähigkeiten ab, erweitert ihre Sozialkompetenzen etc. und wird im Sommer auch auf eine 5-tägige Ferienfreizeit mitfahren. Ohne den I-Hort wäre ich noch ratloser/verzweifelter, als ich es ohnehin schon bin.
    PS: Die Regel- und Privatschulen, bei denen ich vorgesprochen hatte, sahen sich außerstande, ein Kind mit geistiger Beeinträchtigung aufzunehmen. Problem: fehlende Offenheit/Interesse für Inklusion, viel zu große Klassen, viel zu wenig Personal…
    Ich drücke dir ganz fest die Daumen für die Suche nach der bestmöglichen Schule!

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      • Wir leben in Sachsen-Anhalt. Hier wird die Bildung seit vielen Jahren kaputtgespart, Referendare wandern in andere Bundelsänder ab, wo sie mit offenen Armen empfangen werden, die Lehrer sind überaltert und bei Neueinstellungen stellte sich das Bildungsministerium bislang quer. Jetzt, wo das Kind längst in den Brunnen gefallen ist, kommt ein wenig Bewegung in die Sache. Es wird aber noch Jahre dauern, die Defizite wieder auszugleichen.
        PS: Hier ist der Bildungsminister strikt gegen die Abschaffung der Förderschulen! Stattdessen wird gerade darüber diskutiert, ob zusätzlich zu den 3 bestehenden GB-Förderschulen (die alle mit 20% Überbelegung kämpfen) noch eine 4. GB-Förderschule neu gebaut werden kann. „Beste“ Voruassetzungen also für die Inklusion…

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  5. Pingback: Auf Schulsuche III: Die integrative Montessorischule | Kleinstadtlöwen

  6. Pingback: Auf Schulsuche IV: Und wenn es doch die Regelschule wird? | Kleinstadtlöwen

  7. Hallo ihr Lieben,
    wir sind auch Eltern eines wundervollen Mädchens mit Trisomie 21.
    Sie ist 6 Jahre alt. Wir leben in der Nähe von Oberkirch.
    Da unsere Tochter nun das vierte Jahr in unseren Dorfkindergarten geht,
    ist es unser Wunsch, dass sie auch die Grundschule im Dorf besuchen darf.
    Sie kennt alle Kinder, spricht ihre Namen und geht sehr gerne in den Kindergarten.
    Leider gestaltet sich die Umsetzung unseres Wunsches aber nicht einfach….
    die Bildungswegekonferenz findet „voraussichtlich“ im Mai statt.
    Alle Einzelheiten kann ich heute leider nicht niederschreiben.
    Ich habe heute in der Ansprache Richard von Weizsäckers` ( 1993 ) gelesen:
    ….“ Humanes Zusammenleben, Integration,
    braucht zuerst und vor allem Raum
    in den Köpfen und Herzen der Menschen“…

    Euch alles Gute und liebe Grüße.

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    • Hallo Ingrid,
      danke für Deine Worte! Auch ich hätte mir gewünscht, dass der Löwenjunge in die Grundschule bei uns vor Ort gehen darf – das wird aber nicht möglich sein. Wir können uns gerne auch nochmal per E-Mail oder Telefon austauschen! Liebe Grüße

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  8. Pingback: „Was ist jetzt eigentlich mit der Schule?“ – oder: Die Krux mit den Behörden | Kleinstadtlöwen

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