Türchen 16: Momo

 

Adventskalende78-2-kl

Foto: Merle Weidemann

Einen wunderschönen guten Morgen!

Was habt Ihr für dieses Wochenende geplant? Der Löwenjunge darf heute reiten gehen und das Löwenmädchen wünscht sich neue Hausschuhe – und abends eröffnen wir endlich die Raclette-Saison!

Zuerst habe ich aber natürlich noch einen Bericht über gelungene Inklusion für Euch – diesmal wieder aus Bayern und – Trommelwirbel – „endlich einmal“ ein Kind ohne Down-Syndrom, sondern mit einer anderen Beeinträchtigung. Ich freue mich nämlich sehr über ALLE Berichte zur Inklusion, egal um welche Art der Behinderung es geht!

Das, womit die Schwachen sich stärken, ist das, womit die Starken sich vervollkommnen. (Montessori/Montessori-Therapie)

Mein Sohn Momo geht mit einem Fragilen-X-Syndrom in die 2. Klasse der Sprengelschule am Ort. Das Fragile-X-Syndrom ist nach dem Down-Syndrom die zweithäufigste genetische Ursache für geistige Behinderung. Komisch, dass selbst die Sonderpädagoginnen bei uns nicht wussten, dass für Kinder mit einer leichten geistigen Behinderung durchaus ein Hauptschulabschuss möglich ist – die richtige Pädagogik vorausgesetzt (Aussage vom Leiter Entwicklungspsychologie der LMU). Auf der Suche nach einer „humanen Schule“, die unserem Jungen einen Schulabschluss ermöglicht, wurde ich aber enttäuscht. Keine der (Förder-) Schulen war bereit, die Stärken meines Kindes so zu fördern, dass die Schwächen kompensiert werden. 

Da unser Sohn sehr stark imitiert und einen strukturierten, überschaubaren Unterricht braucht, haben wir uns für den inklusiven Weg entschieden. Heute geht Momo in die 2. Klasse der Sprengelschule und unsere Entscheidung war richtig – auch wenn wir zunächst für das Gelingen der Inklusion kämpfen mussten.

Momo bekam erst eine Lehrerin, die offen sagte, dass sie ihn zwar schon unterrichten könne, das aber nicht wolle! Dementsprechend war alles schwierig – sehr schwierig! Noch bevor mein Sohn Schaden nahm, wandten wir uns ans Schulamt. Schnell und problemlos durfte er die Klasse wechseln, die jetzige Lehrerin lässt ihn alles mitmachen, der Schulbegleiter darf strukturieren und emotional unterstützen und Aufgaben nochmal erklären – auch in den Proben. Alles, was nötig ist, um mein Kind zu unterrichten und zu prüfen steht in der bayerischen Schulordnung – und durch die Reduzierung auf die wesentlichen Lernziele besteht sogar die Aussicht, dass Momo die zweite Klasse schafft! Moritz kann mit Hilfe tatsächlich mit den anderen Kindern mithalten. Es geht nicht mehr darum, was er alles nicht kann, sondern alle fragen sich: Was ist zu tun, damit er sich mit demselben Stoff wie die anderen Kinder zielführend beschäftigen kann? Klar sind die Leistungen im Vergleich zu den anderen eher schwach, doch vor dem Hindergrund seiner Behinderung sind sie gigantisch. Deshalb wird die Note Vier bei ihm so gelobt wie eine Eins bei einem anderen Kind.

Die Lehrerin selbst ist überrascht, wie einfach es ist, eine „inklusive“ Klasse zu führen. Das ist aber auch kein Wunder, denn durch eine glückliche Fügung (nicht durch Planung der Schule) ist Momo jetzt in der Klasse seiner Kindergartenfreunde und notfalls erklären diese einem Erwachsenen dann auch, wie man mit ihm richtig umgehen muss! Bei Spielen auf dem Schulhof oder im Sportunterricht helfen die anderen Moritz, damit er die Regeln einhalten kann. Moritz übernimmt unterdessen auch Verantwortung. bspw. räumt er den Platz seiner Sitznachbarin auf, wenn sie gerade abgelenkt ist – und wenn sie sich freundlich bedankt, strahlt er aus ganzem Herzen.

Die Klasse gleicht geschickt aus, wenn Momo mal einen Arbeitsauftrag nicht versteht – damit er ja nicht dumm da steht. Da staunt selbst der Schulbegleiter, wie ihm die Kinder seine Arbeit erleichtern!

Aber!

Ja, ein aber muss es immer geben! Noch schöner wäre es, wenn in seiner Klasse noch ein oder zwei andere Kinder mit Beeinträchtigungen wären! Und wenn wir wüssten, dass wir auch in der 3. Klasse eine wohlwollende Lehrerin bekommen könnten.

Wer mehr über Moritz lesen will, kann dies auf dem Blog tun, den Momos Mutter gerade gestartet hat – ich bin schon gespannt, was ich da noch lesen werde! Zunächst einmal vielen Dank Dir, Marianne, dass Du Dich „getraut“ hast, diese Blogreihe auch für andere Behinderungen zu öffnen! Ich wünsche Euch viel Glück für den weiteren Weg und hoffe, dass Moritz auch nächstes Jahr so eine tolle Klassengemeinschaft erleben darf!

Euch allen ein schönes, gemütliches Wochenende und bis morgen,

 

Eure Kleinstadtlöwenmama

2 Gedanken zu „Türchen 16: Momo

  1. Pingback: Beitrag über Momo auf Kleinstadtlöwen – Fix und Fraxi

  2. Pingback: Türchen 21: Felix | Kleinstadtlöwen

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