Türchen Nr. 11: Kristina

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Einen wunderschönen guten Morgen wünsche ich Euch! Hattet Ihr ein schönes Adventswochenende? Wir starten in die neue Woche mit dem Inklusionsbericht von Petra, der Mutter von Kristina:

Wir sind eine sechsköpfige Familie aus dem Süden Niedersachsens und bevor unsere Kristina im September 2010 geboren wurde, haben wir uns nie wirklich Gedanken gemacht, was Eltern mit Behörden und Schulen alles erleben können, wenn das Kind nicht der „Norm“ entspricht! Da es aber doch auch „ganz normal“ laufen kann, wenn man ein Kind hat, das anders ist, möchte ich euch gerne von meinen Erlebnissen mit der Inklusion erzählen. Kristina ist unsere jüngste Tochter und hat das Down Syndrom. Sie hat von 2013 bis 2017 die Integrationsgruppe eines Regelkindergartens besucht. Im Frühjahr 2015 kam die erste Einladung von der Schule, zu deren Einzugsgebiet wir gehören. Die Schule lädt alle Kinder ein, um zu testen, ob sie noch Therapien benötigen, bevor sie eingeschult werden können. Für Kristina ja eigentlich überflüssig, da sie sowieso Therapien bekommt und auch noch lange benötigen wird, aber ich habe den Termin trotzdem wahrgenommen. Natürlich konnten die mir da nichts neues erzählen, aber so konnten sie sich schon mal einen ersten Eindruck von Kristina machen.

Die eigentliche Schuluntersuchung findet für „Kinder mit erhöhtem Förderbedarf“ immer Ende November im Gesundheitsamt statt. Die Termine dafür wurden dem Kindergarten übermittelt, da bei diesen Untersuchungen auch die Heilpädagogin dabei ist. Natürlich war Kristina zu dem Zeitpunkt nicht so weit entwickelt, wie es andere 5jährige in dem Alter sind, aber die Amtsärztin hat Kristina immer wieder gelobt. Im Gespräch mit mir hat sie dann auch ausdrücklich erwähnt, dass Kristina ein tolles Mädchen ist, das schon so viele tolle Sachen kann und dass sie es durchaus als gute Entscheidung erachtet, Kristina im Rahmen der Inklusion zu beschulen, aber dass dann eine Rückstellung sehr sinnvoll wäre (in Niedersachsen ist der 30.09. Stichtag, sodass Kristina bei ihrer Einschulung noch 5 Jahre alt gewesen wäre).

Also habe ich mich mit der Schule unserer Wahl in Verbindung gesetzt, um alles für eine Rückstellung zu klären. Die Schule unserer Wahl war nicht die für uns zuständige Schule, sodass ich erst einmal einen Antrag auf „Schulwechsel vor Einschulung“ stellen musste. Eine reine Fomsache… ich brauchte einen Grund, warum es eine andere Regelschule sein sollte, als die für uns zuständige und es mussten dem lediglich beide Schulleiter zustimmen. Der Grund war die Schulgröße… die für uns zuständige wird von ca. 400 Schülern besucht, unsere Wunschschule hat höchstens 70 Kinder… ein nicht von der Hand zu weisendes Argument.

Als mein Antrag auf Schulwechsel dann „durch“ war, habe ich mit der Schulleitung telefoniert, eigentlich wollte ich einen Termin ausmachen, damit sie Kristina kennen lernt und dann über eine Rückstellung entscheiden kann… aber sie war mir schon einen Schritt voraus – Sie hatte Kristina schon zurückgestellt! Der Jahrgang2016/2017 war nämlich ein recht großer Jahrgang und da sie schon wusste, dass der Jahrgang 2017/2018 sehr klein war, wollte auch sie lieber, dass Kristina noch ein Jahr wartet. Es war also erst einmal alles geregelt und Kristina durfte ein Jahr länger ihren heißgeliebten Kindergarten besuchen!

Im November 2016 gab es dann die nächste Einladung für die Schuleingangsuntersuchung. Es war die gleiche Amtsärztin wie im Jahr zuvor und auch dieses Mal hat sie einen super Job gemacht! Bei manchen Leuten merkt man einfach, dass sie die richtige Jobwahl getroffen haben. Kristina hatte die erwarteten Fortschritte gemacht und war bereit, ins Abenteuer Schule zu starten.

Im Januar 2017 kam dann eine Lehrerin der Förderschule in den Kindergarten, um ein Gutachten über Kristina zu schreiben und aufgrund dieses Gutachtens hatten wir im März eine Förderplanbesprechung! Anwesend waren die Schulleitung, die zukünftige Klassenlehrerin, eine Dame vom Gesundheitsamt, die Förderschullehrerin und ich. Obwohl natürlich in dem Gutachten stand, was Kristina im Gegensatz zu Altersgenossen alles noch nicht konnte, wurde auch explizit erwänht, was sie schon alles gelernt hatte. Es wurde besprochen, wie der Unterricht für Kristina gestaltet werden konnte, wie Ruhepausen geschaffen werden konnten und natürlich wie ihr das Lernen in der Schule so leicht wie möglich gemacht werden kann. Die Dame vom Gesundheitsamt hat direkt alle relevanten Informationen bekommen, die sie für die Genehmigung des Schulbegleiters brauchte und auch die Beförderung von Kristina zur Schule und zurück wurde besprochen. 

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Kinder mit einer geistigen Behinderung haben bei uns Anspruch auf Einzelbeförderung mit dem Taxi, wenn sie im Rahmen der Inklusion beschult werden! Dafür reichte ein formloser Antrag beim Schulamt mit einem Zweizeiler vom Facharzt, dass Kristina nicht mit dem Bus zur Schule fahren kann. Die Schulbegleitung wurde auch recht schnell genehmigt, hier war es dann das einzige Mal, dass ich beim Sozialamt einmal sehr deutlich werden musste. Die Dame, die für Kristinas Antrag zuständig war, wollte unbedingt, dass ich eine Schulbegleitung über einen bestimmten Träger nehme… da ich bislang aber nichts positives über diese Schulbegleitungen gehört hatte, hatte ich mir bereits eine Frau vom Jugendförderwerk ausgesucht. In diesem Punkt zählt dann der Elternwille, sodass die Dame vom Sozialamt schnell klein beigeben musste!

Unsere Schulbegleitung ist eine Perle, ich kenne sie schon lange, sie leitet die Sportgruppe, bei der Kristina einmal im Monat turnt. Somit kannte also auch Kristina sie. In den letzten ca. 4 Monaten vor der Einschulung kam Kristinas Klassenlehrerin einmal in der Woche in den Kindergarten, damit Kristina sie kennen lernen konnte. Gelegentlich brachte sie auch Kristinas Paten mit. Alle Erstklässler bekommen zwei Paten aus den höheren Klassen, die kümmern sich dann um die Kleinen und zeigen ihnen die Schule. Am dem 05.08.2017 war es dann soweit: Das Abenteuer Schule konnte losgehen, Kristina wurde mit 10 Klassenkamaraden eingeschult. Drei Mädchen und acht Jungen.

Kristina freut sich jeden Tag auf die Schule und sie hat auch schon unfassbar viel gelernt, nicht nur Buchstaben und Zahlen, auch von den Kindern hat sie sich schon einiges abgeschaut! Sie ist so groß geworden, seitdem sie die Schule besucht… Die Klassengemeinschaft hat auch recht schnell zueinander gefunden. Zwei Mädchen hatten am Anfang etwas Schwierigkeiten mit Kristina warm zu werden, aber das hat sich doch ganz gut eingespielt. Ganz oft warten aber auch schon Kinder aus der zweiten Klasse an der Tür und wollen Kristina zum Spielen abholen. Die Jungs finden, sie kann gut Fußball spielen und „Räuber und Polizist“ und die Mädchen betüdeln sie einfach gerne! Bei uns läuft Inklusion, wie sie bei jedem laufen sollte und ich hoffe, dass sie auch bald bei allen Kindern so läuft!

Liebe Petra, vielen Dank für Deinen ausführlichen Bericht – ich fand es sehr interessant, zu lernen, wieviel Austausch bei Euch schon vor der Einschulung zwischen den Behörden, dem Kindergarten und der künftigen Schule stattfindet – das klingt wirklich toll! Besonders beeindruckt hat mich die Tatsache, dass Kristinas Klassenlehrerin sie vor der Einschulung mehrmals im Kindergarten besucht und teilweise auch die Paten mitgebracht hat. So sind die Kinder ja wirklich perfekt auf diesen großen Wechseln vorbereitet! Wird das an dieser Schule systematisch für alle Kinder so gehandhabt?

Nun wünsche ich einen guten Wochenbeginn – ich hoffe, ihr seid nicht allzu sehr im Weihnachtsstress!

Viele Grüße,

 

Eure Kleinstadtlöwenmama

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