Türchen Nr. 2: Paula

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Heute geht es in unserem Inklusionsadventskalender weiter mit Paula, 8 Jahre, aus Rheinland-Pfalz. Ihre Mutter Melanie berichtet:

Für uns als Eltern war schon recht früh klar, dass Paula eine Regelschule besuchen würde. Zum einen, weil wir sehr ländlich wohnen und die nächste Förderschule gut 25 km entfernt ist, und zum anderen, weil wir das große Glück haben, dass unsere wohnortnahe Grundschule den Schwerpunkt Inklusion hat. Zudem ist die Schule direkt neben dem Kindergarten, so dass sowohl die Umgebung als auch die meisten Kinder Paula bekannt waren. Im Umkehrschluss kannten sehr viele Kinder Paula schon, was definitiv auch ein Vorteil war. Der ganz große Bonus war allerdings Paulas ältere Schwester Hannah, die ebenfalls diese Grundschule besuchte.

Wir hatten uns aus mehreren Gründen dafür entschieden, Paula zurückstellen zu lassen, was hier in Rheinland- Pfalz zum Glück ohne größere Probleme möglich ist. Paula wurde dann im August 2016 mit gerade 7 Jahren eingeschult. Neben der sehr engagierten Klassenlehrerin hat Paula eine Inklusionskraft, die sie den gesamten Schultag über begleitet. Zudem gibt es an der Schule eine sonderpädagogische Zusatzkraft, die täglich eine Stunde mit Paula arbeitet. Mal bleiben sie dazu in der Klasse, mal gehen sie auch in die „Lernwerkstatt“, um dort ungestört gezielt zu üben. Zweimal pro Woche ist eine Sonderpädagogin an der Schule, diese erstellt gemeinsam mit der Klassenlehrerin Paulas Lehr- und Förderplan und macht an diesen Tagen jeweils eine Stunde mit Paula mal Einzelförderung und mal bleibt sie auch mit in der Klasse.

Paula ist nun schon in zweiten Schuljahr und sie hat unglaublich viel gelernt, sowohl im schulischen als auch im sozialen Bereich. Ihre Schwester wechselte im Sommer aufs Gymnasium, aber Paula hat diesen „Verlust“ gut gemeistert. In den Fächern Deutsch und Mathematik hat Paula andere Lehrmittel als ihre Mitschüler, in den Nebenfächern arbeitet sie aber am gleichen Stoff. Arbeitsblätter etc. werden dann je nach Bedarf für Paula umgestaltet. Paulas große Stärke ist das Lesen, da bekommt sie die gleichen Texte und Bücher wie ihre Klassenkameraden. Besonders stolz war Paula (und wir erst!!!), als sie ihre Klasse beim Lesewettbewerb der Schule vertreten durfte und es dabei auf den zweiten Platz schaffte!

Für uns sagen wir ganz klar, dass Inklusion die richtige Entscheidung war. Paula lernt so viel im Umgang mit den anderen Kindern und diese lernen mindestens ebenso viel von ihr. In den Pausen ist Paula eine beliebte Spielkameradin, nur manchmal braucht sie dann auch ihre kleine „Auszeit“ und möchte für sich sein. Mittlerweile wissen das ihre Mitschüler und akzeptieren es problemlos.

Ich bin der Meinung, dass sich jede Familie darüber klar werden muss, was Inklusion für sie und ihr Kind bedeuten soll. Für uns ist es völlig in Ordnung, dass Paula auch mal aus dem Klassengeschehen herausgenommen wird, um gezielt etwas zu üben. Das ist für uns keine Ausgrenzung, sondern professionelle Einzelförderung, die wir gerne annehmen und die Paula nicht nur wahnsinnig viel bringt, sondern bei der sie auch unglaublich viel Freude hat.

Ich weiß, dass wir großes Glück mit den Bedingungen an unserer Grundschule haben. Ich weiß auch, dass es längst nicht überall so ist. Und auch nicht für jedes Kind mit Down Syndrom ist die inklusive Beschulung passend, in meinen Augen haben Förderschulen daher auch ganz klar ihre Berechtigung und ihren Sinn. Wir leben und lieben mit Paula UNSERE Form der Inklusion und hoffen, dass es auch für die Zukunft einen passenden Weg für Paula gibt, auf dem wir sie begleiten können.

Liebe Melanie, vielen Dank für Deinen Bericht, der wirklich zeigt, wie gut Inklusion funktionieren kann, wenn die Rahmenbedingungen stimmen. Und er zeigt auch, welche Talente Kinder mit Downsyndrom genau wie andere Kinder haben – toll, dass die Schule Paula da so fördert und die Inklusion auch nach außen vorlebt!

Morgen führt uns der Kalender nach NRW, an eine Schule mit privatem Träger!

Habt einen wunderbaren Tag!

 

Eure Kleinstadtlöwenmama

 

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