Teil 2: Auf dem Weg zur Inklusion – oder doch nicht?

20171011_174419Ihr Lieben, hier hatte ich Euch schon von unseren ersten Schritten auf dem Weg zur richtigen Schule für unseren Löwenjungen erzählt.

Der Artikel endete damals recht optimistisch, da ich dachte, wir hätten eine Grundschule gefunden, die trotz der schwierigen äußeren Bedingungen bereit ist, den Löwenjungen so zu nehmen, wie er ist, und diesen inklusiven Weg mit uns gemeinsam zu gehen.

Ihr merkt es schon am Konjunktiv – so einfach ist es nun alles doch nicht.

Nachdem ich mich nach unserer Trennung erst einmal an die neue Situation und den veränderten Tagesablauf gewöhnen musste, hatte ich letzte Woche etwas Luft und beschloss, mich endlich wieder einmal um das Thema Einschulung zu kümmern.

Als erstes rief ich bei der hiesigen Förderschule an, da ich gerne, wie es mir angeboten wurde, dort und in einer „Inklusionsklasse“ einmal hospitieren würde. Bis heute, also seit einer Woche, warte ich nun auf einen Rückruf.

Mein nächster Anruf galt der Grundschule, mit der ich schon im Frühsommer in Kontakt war. Die Schulleiterin rief mich tatsächlich sehr schnell zurück – und erklärte mir, dass ihre Schule nicht mehr für Gruppeninklusion zur Verfügung stehe. Natürlich fiel ich erst einmal aus allen Wolken. Nachdem sie mir die Situation der Schule geschildert hatte, konnte ich aber leider nicht anders als sie voll und ganz zu verstehen. Wenn in einer Schule drei Schüler mit Lernbehinderung ohne Schulbegleiter (die stehen im Normalfall nur bei geistiger Behinderung zur Verfügung) in 3 verschiedenen Jahrgängen beschult werden und die Lehrkräfte dafür für insgesamt 2(!) Wochenstunden die Unterstützung eines Sonderpädagogen haben – dann braucht sich niemand mehr zu wundern, dass die Inklusion nicht funktioniert und dass Lehrer und Schüler überfordert und frustriert sind.

Heute habe ich es dann, auf Anraten der Schulleiterin, endlich geschafft, den zuständigen Schulrat zu erreichen …. Quintessenz unseres Telefonats:

  • das Schulamt ist mit mehreren Grundschulen unserer Kleinstadt und den umliegenden Dörfern (!) in Gespräch, um einen neuen „Inklusionsstandort“ aufzubauen
  • selbstverständlich kann ich mich auch im laufenden Antrag auf Inklusion jederzeit umentscheiden und mein Kind doch an die Förderschule/in die „Inklusionsklasse“ geben!!! (das wurde ungefähr 10mal wiederholt)
  • wenn bei meinem Kind im „Gutachten zur Feststellung des sonderpädagogischen Förderbedarfs“ eine geistige Behinderung festgestellt wird, wird es auch von Anfang an in der inklusiven Beschulung zieldifferent unterrichtet, nämlich nach dem Bildungsplan „Schwerpunkt geistige Behinderung Entwicklung“. Denn wenn dies im Gutachten festgestellt wurde, besteht ja kein Anlass, nach Höherem zu streben
  • wenn bei meinem Kind im „Gutachten zur Feststellung des sonderpädagogischen Förderbedarfs“ eine Lernbehinderung festgestellt wird, wird es auch von Anfang an in der inklusiven Beschulung zieldifferent unterrichtet, nämlich nach dem Bildungsplan „Schwerpunkt Lernen“. Dann ist das Kind aber so fit, dass es auch keinen Schulbegleiter bekommt!
  • aktuell werden im ganzen Landkreis 5 (in Worten: FÜNF!) Kinder mit geistiger Behinderung inklusiv beschult.

Konkret sieht es nun so aus: Das Schulamt wartet auf das o.g. Gutachten und bereitet dann „einen inklusiven Bildungsvorschlag“ vor. Dieser wird mir auf einer Bildungswegekonferenz im Mai (!) unterbreitet. Wenn mir dieser Vorschlag nicht gefällt (weil die Schule vielleicht vierzügig und damit viel zu groß für meinen schüchternen Löwenjungen ist, weil die Schule vielleicht 30km weit weg liegt und somit außerhalb der Schule auch keine Inklusion mehr stattfinden könnte, weil der Löwenjunge den halben Tag im Behindertentaxi – entschuldigt den Ausdruck – oder in meinem Auto verbringen würde, oder oder oder), dann habe ich, im Zuge der UN-Behindertenrechtskonvention, die Deutschland 2009 unterzeichnet hat, das „freie Wahlrecht bei der Schulwahl“. Heißt in unserem Bundesland: den Vorschlag des Schulamts annehmen oder auf die Förderschule gehen!

Ich habe dem Schulrat erklärt, dass ich mir die zukünftige Schule meines Sohnes gerne vor dieser Entscheidung anschauen würde, genau, wie ich es auch bei meiner nichtbehinderten Tochter machen werde. Und daher gerne vor Mai (!) wüsste, mit welcher Schule ich mich in Verbindung setzen kann. Vielleicht habe ich Glück und bekomme doch schon vorher eine Information.

Für mich bedeutet das nun, dass ich mir doch auch die alternativen Schulformen noch anschauen möchte (auch wenn diese bei uns vor Ort auch noch keine Erfahrung mit Inklusion haben und 25km entfernt liegen) und auf jeden Fall der LAG Gemeinsam leben – gemeinsam lernen beitreten werde, um mich vor allen weiteren Schritten beraten zu lassen. Die geringe Anzahl der inklusiv beschulten Kinder in unserem Landkreis ist ja leider sehr aussagekräftig.

Ich möchte nicht um jeden Fall die Inklusion für mein Kind durchboxen – deshalb bin ich so enttäuscht, dass ich nun eine große Unbekannte in meiner Gleichung habe.

Der nächste Schritt ist nun das Gutachten, auf Grundlage dessen das Schulamt seine „Bildungsempfehlung“ ausspricht – davon erzähle ich Euch beim nächsten Mal!

Gibt es unter meinen Lesern noch jemanden, der gerade in meiner Situation ist? Und wie erleben Eltern von nichtbehinderten Kindern die Einschulung? Ist für Euch die Schulwahl auch so schwierig?

 

4 Gedanken zu „Teil 2: Auf dem Weg zur Inklusion – oder doch nicht?

  1. Wir haben das jetzt durch… Eine schlimme Zeit liegt hinter uns.
    Mein Sohn ist knapp… geistig Behindert… naja was da eben so definiert wird. Er geht mit Schulbegleiter in die Regelschule auf unseren Wunsch… deine Regelschule darf deinen Sohn nicht ablehen… Theater machen die alle… und nein es geht den Schulen auch echt nicht gut… Aber mein Sohn wurde in der ersten Klasse derb, offensichtlich Menschenunwürdig von der Lehrein behandelt… wir erreichten zum Glück schnell einen Klassenwechsel und nun ist alles Zucker… Seine Freunde in der neuen Klasse kennen ihn seit dem Kindergarten und damit auch seine Macken, das Beste ist, das er Lesen, Schreiben und Rechnen gelernt… das lag eher im Bereich des Unmöglichen! Es läuft so gut, das man überlegen kann ob er u.U. die Prüfungen mitschreiben darf… Der Schulbegleiter hilft meinem Sohn das zu tun was auch die anderen machen. Ob Prüfungen geschrieben werden und ob die Note gewertet wird entscheiden auch die Eltern zusammen mit der Lehrein .- Bayerisches Unterrichtsgestetz.
    Nach meiner Erfahrung klären die zuständigen Beamten immer in Richtung Förderschule auf… Lies dir doch am besten selber die Schulgesetze durch… Wenn ein Arzt vom SPZ und der Psychologe einen Schulbegleiter für Lernbehinderung vorschlägt und du mit dem Bezirk redest könnte das schon klappen.
    Ach und, mein Sohn kann die Dinge die er kann nur weil ich jeden Tag mit ihm lerne… Das Schulsystem hilft da eh nicht…
    Der Verein Gemeinsam leben, gemeinsam lernen hat uns auch super geholfen. Auch der VDK hat uns nochmal unabhängig! in der Rechtsfrage beraten…
    Bleib stark Löwenmama… !

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  2. Wo ist denn jetzt mein Kommentar hin?
    … ehm kurz das Wichtigste! Lass dich auch von der Rechtsabteilung des VDK beraten und sag das auch ruhig der Schule. Der Verein gemeinsam leben, gemeinsam lernen hilft auch.
    Und lies dir mal selber die Schulgesetze durch… Das entspannt dich erstmal… Du musst dann nur noch den Schulbeamten die Gesetze erklären… oder im Extremen Fall von Dummheit lass das doch die Presse machen… Brauchten wir zum Glück nicht…
    P.S. Mein Sohn geht mit einer leichten geistigen Behinderung in die Sprengelschule (2. Klasse) er hat nach einer qualvollen Zeit (menschenentwürdigendes, diskriminierendes Verhaltens der ersten Lehrerin) widererwartend lesen, schreiben und rechnen gelert, der Schulbegleiter hilft ihm das zu tun was die anderen machen, so kommt er gut mit. In der Klasse sind seine Kindergartenfreunde und wir treffen uns regelmäßig auch außerhalb der Schule.
    Alles ganz normal…endlich! Nur den Kampf mit der Schule, die scheinbar noch nichts von Inklusion gehört hat hätte, obwohl es alles aus Gottes Tiergarten in dieser Schule zu bestaunen gibt und insgesamt drei Schulbegleiter dort arbeiten… hätte es nicht gebraucht… Klar haben die viel Arbeit, aber dann müssen die sich Unterstützung holen und nicht den Eltern die Ohren volljammern. Als ob ein weiteres Kind die Schule killen wurde… Die ist doch schon vorher tot…
    Bleib stark Löwenmama

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