8 Wochen „alleinerziehend“ – eine Zwischenbilanz

20171003_131448Knapp 8 Wochen ist es nun her, dass unser neuer Lebensabschnitt begonnen hat und wir uns alle umorientieren mussten – Zeit für eine erste Zwischenbilanz.

So langsam finden wir unseren Rhythmus. Die Löwenkinder schlafen (meist) wieder durch und insbesondere der Löwenjunge wacht nachts nicht mehr weinend auf. Ich kann den Kindern auch wieder den Rücken zukehren, ohne dass es sofort Streit und Tränen gibt. Lediglich das Anziehen morgens ist manchmal schwierig, weil der Löwenjunge dabei wohl seinen Papa oft vermisst, der früher diese Aufgabe meistens übernommen hatte.

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Vor 3 Wochen ist der Löwenpapa in seine eigene Wohnung gezogen, so dass die Kinder nun 2 Zuhause haben. Natürlich haben wir uns vor diesem Umzug Gedanken gemacht, wie wir dies den Kindern vermitteln wollen und wie wir die beiden Zuhause so gestalten können, dass sie sich wirklich auch zuhause fühlen – und nicht nur als Gast.

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Deshalb war es mir zunächst wichtig, dass es an beiden Orten möglichst alles gibt, was die Kinder täglich brauchen, so dass sie nicht jedes Mal eine Tasche packen müssen. Zahnbürsten, Kleidung, Hausschuhe, Bücher, Spielsachen etc. sind nun also sowohl in der Wohnung als auch im Haus vorhanden. Auch habe ich darauf bestanden, dass es in der Wohnung für die Löwenkinder einen festen Ort gibt, an dem sie ihre Jacken aufhängen können – damit sie wissen, dass sie auch hier zuhause sind und nicht nur zu Besuch. Die zu diesem Zweck angeschaffte Kindergarderobe ist nun auch ein Highlight für die Löwenkinder und wird begeistert genutzt.

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Beide Kinder durften selbst entscheiden, welche Spielsachen sie in die Wohnung mitnehmen möchten und waren natürlich auch beim Umzug dabei, so dass sie so viel wie möglich in alles eingebunden waren. Außerdem haben wir auch die Eingewöhnung an die Wohnung schrittweise gestaltet, am ersten Tag haben wir alle gemeinsam die Sachen in die Wohnung gebracht und dort zusammen zu Abend gegessen. Dann haben sie zwei Nachmittage mit dem Löwenpapa dort verbracht. Als sie das erste Mal in der Wohnung übernachtet haben, haben wir auch zusammen gegessen und die Kinder gemeinsam in den Schlaf begleitet.

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Auch sprachlich ist es mir wichtig, welche Botschaft wir unseren Kindern senden. Deshalb sprechen wir auch nicht von „Papas Wohnung“ und „Mamas Haus“ – denn in dieser Variante wären die Kinder ja nirgendwo zuhause, sondern immer nur bei dem einen oder dem anderen zu Besuch. Außerdem wäre jede Entscheidung über den Ort (also ob sie lieber in die Wohnung oder ins Haus möchten) gleich auch immer an eine Person gebunden. Bei uns wird also immer von „der Wohnung“ und „dem Haus“ gesprochen.Schön war auch die spontane Idee vom Löwenpapa, ein Brettspiel mit den Kindern zu basteln, um den Weg vom Haus zur Wohnung zu visualisieren.

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Da wir, wenigstens auf Elternebene, bisher recht freundschaftlich miteinander umgehen, können wir glücklicherweise auch immer wieder Zeit zu viert verbringen. Dabei bemühen wir uns, uns sowohl im Haus als auch in der Wohnung aufzuhalten, damit beide Orte für die Löwenkinder gleich „schön“ und geborgen sind. Mindestens 2 Nächte pro Woche schlafen die Kinder beim Löwenpapa und der Montag Abend ist fest als „Familienabend“ verplant, an dem wir zusammen essen, die kommende Woche besprechen und die Kinder gemeinsam in den Schlaf begleiten. Nach wie vor hat der Löwenpapa einen Haustürschlüssel zum Haus und auch ich habe einen Schlüssel für die Wohnung.

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Ich habe den Eindruck, dass die Kinder sich ganz gut an die neue Situation gewöhnt haben und die Trauer nicht mehr so akut ist – auch wenn es natürlich noch schwierige Momente gibt. Mir ist bewusst, dass die momentane Routine nicht ewig funktionieren wird – sobald ein/e neu/e Partner/in ins Spiel kommt, wird sich einiges noch einmal ändern. Für den Moment ist dies aber die Lebensweise, die uns – und vor allem den Löwenkindern – am besten passt. Die Fotos stammen übrigens alle aus dem Buch „Ich habe Euch beide lieb“ – bisher mein liebstes Kinderbuch zum Thema Trennung, da es als einziges Kinderbuch nur auf die positiven Seiten eingeht, die eine Trennung ja auch hat/haben kann. (Natürlich haben die anderen Kinderbücher auch alle ihre Daseinsberechtigung, aber ich finde es einfach schön, dass es auch ein Buch gibt, indem es eben nicht um Trauer, Wut und Schuldgefühle geht, sondern nur darum, dass es auch schön sein kann, zwei Zuhause zu haben).

Übrigens ist auch bei uns nicht alles nur heile Welt und so easypeasy, wie es vielleicht hier klingen mag. Es kostet sehr viel Kraft, ein freundschaftliches Verhältnis aufrechtzuerhalten, wenn man eigentlich lieber den Kontakt abbrechen würde. Und natürlich wird auch hier gestritten – aber, soweit es irgendwie geht, nicht vor den Kindern und auch nicht über sie. Dafür war die Aufteilung unserer Bücher von ziemlich viel Streit begleitet – Literaturwissenschaftler halt…. 🙂

Dafür sehen wir aber jeden Tag, wie wichtig den Kindern der intensive Kontakt zu beiden Elternteilen ist – und dass sich die Mühe, die wir uns geben, wirklich lohnt.

8 Gedanken zu „8 Wochen „alleinerziehend“ – eine Zwischenbilanz

  1. Ich kommentiere nicht so oft, aber dieser Beitrag hat mich wirklich bewegt. Ich finde es wirklich toll, wie ihr beide als Eltern das macht und wünsche Euch, dass ihr immer, egal in welcher Phase, eine solche Grundlage für eure Kinder habt. Ganz großer Respekt von meiner Seite, das klingt alles sehr vernünftig und erwachsen.
    Viele liebe Grüße,
    Carolin

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  2. Hey Hey,

    ich finde es toll, wie ihr es gelöst habt und das es bei euch auf der Elternebene funktioniert. Ich kann mir gut vorstellen, dass einem die „Trauerzeit“ nach der Trennung fehlt, da man noch durch die Kinder so viel Kontakt hat. Dafür meinen Respekt. Weiterhin viel Kraft und alles Gute für euch 💜

    Lieben Gruß
    Roksana

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  3. Ein Weg der uns noch bevor steht. Es macht Mut zu lesen, dass es doch irgendwie geht. Auch wenn es bis dahin noch ein weiter Weg ist! Danke für deinen ermutigenden Blogpost!

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