Lieber AfD-Wähler…..

Lieber AfD-Wähler,

wir kennen uns nicht – zumindest nicht persönlich, auch wenn die Meinungs- und Wahlforscher ein recht präzises Bild von Dir zeichnen.

Ich denke, dass auch Deine Informationskanäle ein präzises Bild von mir zeichnen: Mutter eines behinderten Kindes, alleinerziehend, „Gutmensch“, der hauptberuflich mit Flüchtlingen arbeitet usw.

Ich sage es ganz ehrlich: Du – beziehungsweise die Tatsache, dass es so viele von Dir gibt – machst mir Angst. Und ich denke, dass ich, meine Lebensweise und mein Umfeld Dir auch Angst machen.

Deshalb möchte ich Dich gerne einladen, mich und meine Welt besser kennenzulernen.

Die Wahlforscher sagen, dass Du hauptsächlich wegen der sogenannten Flüchtlingskrise die AfD gewählt hast.

Ich möchte Dich einladen, mich auf meine Arbeit zu begleiten und die Flüchtlinge selbst kennenzulernen, die Dir solche Angst machen.

Ich möchte Dich einladen, mit dem 11jährigen Osama und seinen 25 deutschen Klassenkameraden Fußball zu spielen.

Ich möchte Dich einladen, seine Eltern beim Elterngespräch kennenzulernen, wenn sie mir erzählen, dass Osama in Syrien nie zur Schule gehen konnte, da der Schulweg ständig bombardiert wurde.

Ich möchte Dich einladen, Dir von Osama, der als Analphabet hierhin kam, eine Geschichte vorlesen zu lassen.

Ich möchte Dir die Briefe zeigen, die ich von seinen syrischen Mitschülern bekommen habe, in denen sie mir erzählen, dass sie Freunde oder Verwandte durch Bombenanschläge in ihrer Heimat verloren haben.

Ich möchte Dich auch einladen, Mohammad und seine Freunde kennenzulernen. Sie haben innerhalb von 2 Jahren in Deutschland die deutsche Sprache erlernt, den Hauptschulabschluss abgelegt und suchen nun eine Ausbildung.

Und dann möchte ich Dir auch Mariam vorstellen. Mariam trägt ein Kopftuch. Zu Beginn des Schuljahres war sie in Tränen aufgelöst, weil sie neben einem Jungen sitzen sollte. Das kannte sie aus ihrer Heimat nicht. Am Ende des Schuljahres hat sie mit allen Jungen und Mädchen ihrer Klasse eine mehrtägige Fahrradtour mit Übernachtung gemacht.

Hinter all meinen Schülern stehen Familien und Schicksäle. Eltern, die das Beste für ihre Kinder wollen und sich große Mühe geben, unsere Lebensweise hier zu verstehen. Eltern und Kinder, die tagtäglich über ihren Schatten springen, um sich anzupassen. Vielleicht möchtest Du uns auch besuchen, wenn wir über unsere Zukunftswünsche sprechen. Dann hörst Du, wie viele dieser Kinder hoffen, dass sie eines Tages in ihre Heimat zurückkehren können – wenn dort kein Krieg mehr herrscht.

Ich möchte Dich auch zu mir nach Hause einladen. Ich würde Dir sehr gerne in Ruhe erzählen, warum ich es so wichtig finde, dass Deutschland Menschen hilft, die in Kriegsgebieten leben. Für mich ist es beruhigend zu wissen, dass es Länder gibt, die helfen und die nicht wegschauen. Ich möchte mir nicht vorstellen, in welchem Land ich heute leben würde, wenn alle anderen Länder Nazi-Deutschland hätten gewähren lassen.

Nun hast Du also die AfD gewählt, um ein Zeichen zu setzen. Gegen die Art, wie Deutschland mit der Flüchtlingskrise umgeht. Wahrscheinlich werden wir auch, trotz aller Diskussionen, bei diesem Thema nie einer Meinung sein. Das gehört zu einer Demokratie dazu.

Die Partei, die Du gewählt hast, vertritt aber auch andere Positionen, die mich und meine Lebensweise direkt betreffen. Vielleicht ist Dir das gar nicht so bewusst.

Deshalb möchte ich Dich auch in den Kindergarten meines Sohnes einladen. Ich möchte Dir zeigen, wie mein Kind mit Behinderung mit anderen Kindern aufwächst. Die AfD spricht sich klar gegen Inklusion aus. Ich möchte Dich einladen, Dir ein eigenes Bild zu machen. Schau Dir an, wie mein Kind im Kindergarten integriert ist. Sprich mit den anderen Kindern, was es für sie bedeutet, zusammen mit behinderten Kindern aufzuwachsen. Sieh Dir an, wie die Kinder voneinander lernen, aneinander wachsen und Werte wie Menschlichkeit, Toleranz, Nächstenliebe und Hilfsbereitschaft auf natürliche Weise lernen.

Wenn Du schon länger auf meinem Blog liest, weißt Du, dass ich seit kurzem alleinerziehend bin. Wusstest Du, dass die AfD der Meinung ist, wir Alleinerziehenden verdienten „keine Unterstützung“, außer, wenn wir „unverschuldet“ alleinerziehend sind? Ich möchte Dich einladen, meine Familie und mich zu besuchen und Dir selbst anzuschauen, welches Familienmodell wir zuhause leben und welche Werte wir als Eltern unseren Kindern vermitteln. Ja, in meinem Bett schlafen zur Zeit nur meine Kinder. Kein Mann. Trotzdem sind wir eine Familie und meine Kinder wachsen behütet auf. Sie haben feste Bezugspersonen, denen sie blind vertrauen. Wir beschützen sie und zeigen ihnen, was uns im Leben wichtig ist: Liebe, Respekt, Toleranz, Mut, Geborgenheit und Hilfsbereitschaft. Würde ich mein Bett mit einer Frau teilen und wäre somit Teil einer „Regenbogenfamilie“ (so wie übrigens auch die Spitzenkandidatin der AfD), würde ich meinen Kindern genau die gleichen Werte vermitteln. Eine Familie definiert sich nicht über die Anzahl und das Geschlecht ihrer Mitglieder. Sondern über das Gefühl der Zusammengehörigkeit und über die Werte, die diese Familie teilt.

Ich wünsche mir für meine Kinder, dass sie in einer Welt aufwachsen, in der Vielfalt normal ist und zum Alltag dazugehört. Schon vor dieser Bundestagswahl wusste ich, dass wir dazu noch einen weiten Weg vor uns haben. Ich will nicht, dass es nun wieder normal sein wird, offen rassistische Bemerkungen zu äußern, dass Familien, die sich – aus welchen Gründen auch immer – außerhalb der „Norm“ befinden, an den Rand unserer Gesellschaft geschoben werden und nicht mehr dazugehören.

Zum Schluss möchte ich Dir noch erzählen, wie meine vierjährige Tochter den Wahlabend erlebt hat. Wir haben gemeinsam um 18 Uhr die erste Hochrechnung geschaut. Natürlich habe ich ihr gesagt, dass ich traurig bin, dass die „Hellblauen“ so viele Stimmen bekommen haben. Einfach, weil Du für eine Welt gestimmt hast, in der ich mich nicht wohl fühlen würde, in der ich Angst um unsere Werte haben müsste. Danach wurde der Spitzenkandidat der AfD gezeigt, der vor laufender Kamera wütete, die AfD werde „Angela Merkel jagen“. Meine Tochter begann zu weinen und fragte mich voller Angst: „Mama, warum will der Mann sie jagen? Ist er ein böser Mensch?“

Lieber AfD-Wähler, was soll ich meiner Tochter antworten? Ist es wirklich das, was Du willst? Menschen jagen?

2 Gedanken zu „Lieber AfD-Wähler…..

  1. Liebe Löwenmama,

    Ich bin Afd-Wählerin und habe einen Jungen, der so ist, wie der Löwenjunge – daher bin ich über deinen Blog gestolpert.

    Hier ist eine Antwort für deine Tochter: „der Mann will Angela Merkel jagen, da sie viele Dinge getan hat, die unser Leben, so wie es ist, in große Gefahr bringen. Angela Merkel hat dabei gegen viele Gesetze verstoßen und nicht das gemacht, was sie eigentlich tun sollte. Sie hätte sich um unser Land und die Menschen, die hier – wie wir – schon sehr lange leben kümmern müssen. Das ist eigentlich ihre Aufgabe. Aber sie hat das Gegenteil getan und uns soviel geschadet, wie niemand vor ihr.
    Wenn der Mann „jagen“ sagt, dann meint er damit, dass er nicht aufhören wird, sich dafür zu kämpfen, dass sich wieder um die Menschen wie uns gekümmert wird.

    Ich möchte dich einladen, dich über die AfD und das was sie wirklich vertritt, unabhängig zu informieren. Du wirst sehen können, dass das von den Leitmedien gezeichnete Bild in keiner Weise stimmt. Sicher kannst du dir vorstellen, wie man eine Berichterstattung so steuern kann, dass die einen immer nett und freundlich erscheinen und die anderen nicht.

    Auch das Bild, das die Meinungs- und Wahlforscher vom gemeinen AfD-Wähler zeichnen, entspricht keineswegs den Tatsachen. Sagt dir das Stichwort „Propaganda“ vielleicht etwas ? Genau das ist es, was hier läuft – und du bist (ich muss es einmal ganz deutlich sagen) darauf hereingefallen.

    Es stimmt sicher, dass ein Haupt-Thema der AfD die Einwanderungspolitik ist – aber auch die zur Zeit aller Macht vorangetriebene Gender-Ideologie. Beides sind Themen, die dir als Mutter am Herzen liegen müssten – und zwar in dem Sinne, wie sie die AfD auch vertritt.

    Ich möchte dich einladen, dir mal Gedanken darüber zu machen, was eine ungebremste Zuwanderung aus einem anderen Kulturraum für dieses Land und seine Bewohner bedeutet. Was für Auswirkungen das auf dich und deine Familie haben wird. Heute, in 10 Jahren, in 20 Jahren … Wenn du diese Gedanken zu denkst, DANN müsstest du Angst um „unsere Werte“ haben. Wobei sich dabei natürlich die Frage stellt, was „unsere Werte“ sind. Die Werte eines Großteils der
    Zuwanderer sind nämlich tatsächlich andere, als die Werte des Großteils hiesiger Familien.

    Du sprichst von Menschlichkeit, Toleranz, Nächstenliebe und Hilfsbereitschaft. Alles Werte, die auch die AfD vertritt. Nur wendet sie diese Werte zunächst einmal auf das eigene Volk an, bevor sie der ganzen Welt helfen möchte und dabei die eigenen Leute vergisst. Als Mutter weist du sicher, dass man auch Kraft für sich selber schöpfen muss, um für seine Kinder da sein zu können. Man kann nur das an Andere weitergeben, was man über hat – oder man schaufelt sich sein eigenes Grab.
    Wieviel hat das Deutsche Volk wohl noch über ? Wieviele Menschen können mitversorgt werden ?

    In diesem Sinne möchte ich dich auch einladen, dich über das Riesen-Geschäft zu informieren, dass mit den Flüchtlingen gemacht wird. Auf ihre und auf unsere Kosten. Da geht es nicht um die Menschen.

    Insbesondere möchte ich dich einladen, dich darüber zu informieren, welche massiven negativen Auswirkungen die Zuwanderung bereits jetzt schon hat.
    Glaubst du im Ernst, dass die „Bunte Vielfalt“ so eine nette Party ist und alles „integriert“ werden kann ? Die (ungeschönten) Kriminalitätsstatistiken sprechen eine ganz andere Sprache.
    Mit der Inklusion für den Löwenjungen wird auch es gänzlich anders aussehen, wenn zig Tausende Kinder, die ihre Wurzeln verloren haben, versorgt werden wollen. Nicht das diese Kinder weniger Wert wären als der Löwenjunge – ihnen soll schon auch geholfen werden. Aber frage dich selbst, ob es da nicht bessere Wege gäbe, als dies alles in Deutschland stemmen zu wollen.

    Ich könnte noch eine ganze Menge mehr schreiben …
    Vielleicht gelingt es dir meinen Worten und Gedanken zu folgen. Es ist nicht die AfD, die dir Sorgen bereiten sollte. Schau dir einfach an, wie sich das Leben in diese Land in den letzten 20 Jahren verändert hat.

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    • LIebe Vera, ich danke Dir für Deinen langen Kommentar. Schön, dass ich nun auch die Sicht einer AfD-Wählerin etwas besser kenne. Dein Kommentar enthält viele, viele Punkte, auf die ich gerne antworten möchte oder zu denen ich Fragen bzw. eine andere Sichtweise habe. Sobald ich mehr Zeit habe, werde ich Dir hier ausführlicher antworten. Ich wollte nur den Kommentar jetzt schon freischalten, damit Du nicht denkst, dass ich hier zensiere…

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