Auf dem Weg zur Inklusion?

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Im September 2018 wird der Löwenjunge eingeschult – für welche Schulart wir uns entscheiden werden, wissen wir noch nicht. An unserem Weg der Entscheidungsfindung möchte ich Euch hier gerne immer mal wieder teilhaben lassen – heute zunächst mal mit dem Status quo und meinen ersten Kontakten zu Schulen und Entscheidungsträgern.

Vorab: In unserer Kleinstadt wurde noch nie ein Kind mit sogenannter „geistiger Behinderung“ inklusiv beschult, nur Kinder mit Lernbehinderung und dies auch nur an einer einzigen Grundschule.

Ich wünsche mir für mein Kind eine Schule, an der er sich wohl fühlt und Teil einer Gemeinschaft ist – und kein Außenseiter. Nun ist der Löwenjunge aber – anders als seine Schwester – recht zurückhaltend und in neuen Situationen, bei fremden Leuten oder wenn er unter Druck steht, regelrecht scheu und kann richtig verstummen. Gleichzeitig wünsche ich mir aber auch für ihn, dass er so viel lernen darf, wie er kann und will – und das ist meiner Ansicht nach recht viel. Er ist wissbegierig, ausdauernd und hat eine Konzentrationsfähigkeit, die allen seinen Therapeuten immer wieder Bewunderung abverlangt.

Die meisten Leute, die mir bisher Empfehlungen zu seiner schulischen Laufbahn gegeben haben, kannten den Löwenjungen überhaupt nicht – hatten aber trotzdem bereits eine feste Meinung:

Anruf 1: bei der Schule in unserem Einzugsgebiet.

Eine wohnortnahe Schule wäre für mich die Traumlösung: Der Löwenjunge könnte weiterhin mit seinen Kindergartenfreunden zusammenbleiben, der Schulweg wäre zu Fuß machbar und evtl. käme auch das Löwenmädchen ein Jahr später an die gleiche Schule (was für mich die Alltagsorganisation ein großes Stück einfacher machen würde). In jedem Fall ist diese Schule aber für uns zuständig und muß die nötigen Anträge in die Wege leiten.

Kurze Vorstellung meinerseits und meines Anliegens (Kennenlerngespräch vereinbaren, um zu besprechen ob und wie eine inklusive Beschulung möglich ist)

Schuldirektorin: „Aber wenn Ihr Sohn behindert ist, wird er doch den Schulweg ohnehin nicht alleine gehen können. Dann brauchen Sie ihn doch auch nicht wohnortnah zu beschulen!“

Einen Termin haben wir dann doch vereinbart – natürlich außerhalb der Betreuungszeiten des Kindergartens. Nachdem ich extra eine Betreuung organisiert hatte und zur Schule kam, musste ich dort feststellen, dass die Direktorin erkrankt war und es bis zum Nachmittag niemand geschafft hatte, mir abzusagen.

(Die Anträge habe ich mir inzwischen per Post schicken lassen)

Anruf 2: beim Schulamt

Hier wird entschieden, welche Schule uns für den Löwenjungen vorgeschlagen wird. Die „freie Schulwahl“, die mit der UN-Behindertenkonvention 2009 unser Recht geworden ist, beinhaltet hier in Süddeutschland die Wahl zwischen einer (Regel-)Grundschule, die das Schulamt uns vorschlägt, und der Förderschule für geistige Behinderung. 

Auch hier wieder kurze Vorstellung meinerseits, ich möchte mich über das Prozedere bei einer inklusiven Beschulung informieren.

Sachbearbeiterin: „Was hat Ihr Sohn denn?“

Ich: „Downsyndrom“

Sie: „Ach, das sind ja so fröhliche Kinder! Und sie lernen so gut durch Nachahmung!  Sie sollten ihn unbedingt in einer unserer Inklusionsklassen anmelden!“

Die Inklusionsklassen hießen hier früher Außenklassen. Eine Klasse der Förderschule ist an einer normalen Grundschule angesiedelt, so dass die Kinder die Pausen mit den „normalen“ Schülern verbringen sowie oftmals in den sogenannten „weichen“ Fächern gemeinsam „lernen“ – also Kunst, Musik, Sport, etc. Für die „richtigen“ (ich entschuldige mich bei allen mitlesenden Kunst-, Musik- und Sportlehrern!) Fächer werden die Kinder allerdings getrennt unterrichtet – damit die „normalen“ und die „anders normalen“ Kinder jeweils ungestört und nach ihrem Niveau lernen können. Vom ursprünglichen Gedanken der Inklusion finde ich bei diesem Konzept nicht viel. 

Immerhin erfahre ich bei diesem Telefonat noch, dass es in unserer Kleinstadt nur eine Grundschule gibt, an der eine inklusive Beschulung möglich ist – auch wenn dies bisher nur für Kinder mit Lernbehinderung auf die Beine gestellt wurde. Mir wird aber dringend nahegelegt, mich bei der sonderpädagogischen Beratungsstelle zu informieren – und mir auf jeden Fall die AußenInklusionsklassen anzuschauen.

Anruf 3: bei der sonderpädagogischen Beratungsstelle

Diese befindet sich passenderweise in der Förderschule für geistige Behinderung.

Nach meiner üblichen Vorstellung kommt dann diese Aussage:

„Ja, die Inklusion klingt natürlich schon immer toll für die Eltern. Sie hat aber einfach auch gravierende Nachteile für die Kinder. Unsere Inklusionsklassen hingegen…..“

Diejenigen, die den Löwenjungen seit mehreren Jahren begleiten und ihn gut kennen, befürworten allesamt eine inklusive Beschulung: unser Kinderarzt ( auf den ich noch ein Loblied singen werde), die Frühförderstelle, die Erzieher und Heilpädagoginnen in seiner Kita, die Logopäden und Ergotherapeuten in unserem Therapiezentrum. O-Ton hier: „Der Löwenjunge hat Potential und ist lernbegierig. Es wäre sehr bedauernswert, ihm diese Möglichkeit von vorneherein zu nehmen.“

Und was sagt nun die Löwenmama?

Ich habe das Mammutgutachten, das für seine Einschulung notwendig ist, in die Wege geleitet. Gleichzeitig werden wir uns nach den Sommerferien die Förderschule, die AußenInklusionsklasse und die einzige Grundschule ansehen, die unser Kind aufnehmen würde – dann können wir uns zumindest ein umfassendes Bild machen. Und natürlich achten wir auch darauf, was der Löwenjunge will! Entscheiden müssen wir uns bis Ende März 2018.

Anruf 4: bei der inklusiv arbeitenden Grundschule

Die Direktorin: „Wir arbeiten seit 5 Jahren inklusiv. 3 Jahre davon hatten meine Lehrkräfte keinen Sonderpädagogen an ihrer Seite und mussten alles alleine stemmen. Wir sind hier alle an den Grenzen unserer Belastbarkeit oder bereits darüber hinaus. Trotzdem sage ich Ihnen: Meine Kolleginnen und ich stehen hinter unserer inklusiven Arbeitsweise und Ihr Sohn ist natürlich bei uns willkommen!“

To be continued!

6 Gedanken zu „Auf dem Weg zur Inklusion?

  1. Liebe Löwenmama, ich wollte dir nur kurz meine Erfahrungen ( als Mama) von einer Tandemklasse berichten. Meine Tochter geht als Regelkind in eine Tandemklasse. Das bedeutet es gibt in der Klasse 20 Schüler, 8 davon mit Förderbedarf. Eine Grundschullehrerin, eine Förderlehrerin und in unserer Klasse zusätzlich eine Schulbegleitung . Es stimmt, dass die Kinder in den Fächern Mathe und Deutsch teilweise getrennt sind. Aber in allen anderen werden sie gemeinsam unterrichtet. Ich hab mir mal schnell unseren Stundenplan angesehen (4.Klasse) und festgestellt dass die Kinder 22 Std. gemeinsam und 8 Std. getrennten Unterricht haben. In der ersten Unterrichtsstunde arbeitet jeder einzeln an seinem Wochenplan. Durch einen gut organisierten Sitzplan sind die Kinder auch sehr gut in der Lage bei Fragen erst einmal den Sitznachbar um Hilfe zu bitten und danach erst den Lehrer zu fragen. So können Kinder von Kindern lernen. Meine Tochter geht gerne in die Klasse und ist schon sehr traurig, weil nächste Woche der letzte Schultag der Grundschule näher rückt. Lg aus dem Süden Deutschlands und Schöne Ferien

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    • Liebe Michi,
      vielen Dank für Deinen Kommentar! Das klingt nach einer tollen Schulerfahrung für Deine Tochter – und nach sehr engagierten Lehrern! Wobei sogar ich sagen muss, dass ich 8 Kinder mit Förderbedarf ganz schön viel finde – es kommt aber wohl auch darauf an, wie Förderbedarf definiert ist! Euch auch schöne Ferien!

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  2. Hallo Löwenmama, viel Erfolg bei deiner Schulwahl. Und man kann nicht früh genug beginnen, auch bei der Beantragung aller Hilfen, die du dir wünschst in der Schule. Wir haben unsere Wunschschule in einer privaten Schule gefunden. Hilfen nach dem Sozialgesetzbuch klagen wir gerade ein. Unsere zuständige Grundschule wäre keine Option. Icch kenne sie von unseren großen Kindern. Hör dir an, was andere Eltern über die Schule sagen. Da erfährst du das Wichtigste. Alles Gute, Ariane

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  3. Pingback: Teil 2: Auf dem Weg zur Inklusion – oder doch nicht? | Kleinstadtlöwen

  4. Pingback: Auf dem Weg zur Inklusion Teil 4: Die Einschulungsuntersuchung. Nicht. | Kleinstadtlöwen

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